Protest gegen Kosovo-Anerkennung: Serbien zieht Berlin-Botschafter ab

Kaum hat die Bundesregierung Kosovo als unabhängigen Staat anerkannt, straft Serbien Deutschland ab - wie zuvor bereits die USA und Frankreich.

Nicht nur die Regierung protestiert: Schüler marschieren mit serbischer Fahne Bild: rtr

STRAßBURG dpa Serbien zieht drastische Konsequenzen aus Deutschlands Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovos. Der serbische Außenminister Vuk Jeremic kündigte in Straßburg an, den serbischen Botschafter aus Deutschland zurückzurufen. Zuvor waren unter anderem bereits die Botschafter aus Washington und Paris zurückgezogen worden.

Deutschland hatte die frühere serbische Provinz zuvor als eigenständigen Staat anerkannt. Bundespräsident Horst Köhler wollte seinem kosovarischen Amtskollegen Fatmir Sejdiu noch im Laufe des Mittwochs eine entsprechende Note übermitteln. Dem Kosovo werde in dem Schreiben auch die Aufnahme diplomatischer Beziehungen angeboten, teilte das Bundespräsidialamt mit. Zuvor hatte das Bundeskabinett der Anerkennung des Kosovo zugestimmt. Das kosovarische Parlament hatte am Sonntag die Unabhängigkeit ausgerufen. In Pristina mahnte Sejdiu unterdessen die Serben nach den schweren Ausschreitungen im Nord-Kosovo zur Ruhe.

Der Bundestag befasst sich am Nachmittag mit der Lage im Kosovo. Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck sagte: "Unsere Fraktion sieht die Anerkennung mehrheitlich als zwingende Konsequenz der Entwicklung an." Auch FDP-Chef Guido Westerwelle bezeichnete die Anerkennung als alternativlos: "Unter all den schlechten Möglichkeiten, ist es immer noch die beste."

Am Dienstag hatten hunderte Serben die von der UN-Kosovo-Verwaltung (UNMIK) betriebenen Grenzübergänge Jarinje und Zubin Potok demoliert und in Brand gesteckt. Kosovo-Präsident Sejdiu sagte, die von der NATO geführte internationale Schutztruppe KFOR sei aufgefordert, die Lage im Norden unter Kontrolle zu bringen. "Wir rufen die serbischen Bürger auf, sich uns beim gemeinsamen neuen Leben anzuschließen", sagte Sejdiu.

Der neue EU-Kosovo-Beauftragte Pieter Feith versicherte nach einem Treffen mit Sejdiu: "Wir ziehen uns nicht aus dem Norden zurück." Die UNMIK hatte alle albanischen Polizisten aus Sicherheitsgründen abgezogen. Die internationale Schutztruppe KFOR bezog stattdessen dort Stellung. Die Grenzübergänge blieben auch am Mittwoch nach der Abriegelung durch die KFOR geschlossen. Ziel der Gewaltausbrüche ist nach Darstellung von Diplomaten in Pristina offensichtlich die Teilung des neuen Kosovo-Staates.

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