Privater Postdienstleister: Pin-Chef gibt auf

Vorerst bleibt der Springer-Verlag auf der Mehrheit des angeschlagenen Unternehmens sitzen. Günter Thiel wird sie nicht kaufen. Stattdessen schmeisst er seinen Job hin.

Der Chef ist schon von Bord. Stehen bei Pin bald alle Räder stiil? Bild: dpa

BERLIN taz Die Pleite des privaten Postdienstleisters Pin Group wird immer wahrscheinlicher. Am Dienstag zog Pin-Vorstandschef Günter Thiel sein Angebot zurück, dem Axel-Springer-Konzern seinen Mehrheitsanteil an der Pin-Gruppe abzukaufen. Gleichzeitig kündigte Thiel seinen Rücktritt an. Das bestätigte Unternehmenssprecherin Mandy Simon gegenüber der taz. "Das Ende der Pin Group ist jetzt eine reale Option", sagte Simon.

Bis Redaktionsschluss am Dienstagnachmittag blieb die Zukunft des zweitgrößten deutschen Postdienstleisters jedoch ungewiss, weil die Beratungen des Pin-Verwaltungsrates andauerten. Pin-Chef Thiel hatte dem Konzern am vergangen Freitag angeboten, Springers Pin-Anteil von knapp 64 Prozent zum symbolischen Kaufpreis von einem Euro zu übernehmen. Thiel wollte außerdem für 200 Millionen Euro Pin-Schulden aufkommen sowie 50 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen in das Unternehmen investieren. Spinger lehnte das Angebot mit der Begründung ab, durch zahlreiche von Thiel geforderte zusätzliche Leistungen würde "die Springer AG weiterhin die Hauptlast der Finanzierung tragen, ohne überhaupt noch Eigentümer zu sein".

Anlass für Thiels Offerte war, dass Springer am Freitag alle Geldzahlungen an Pin eingestellt hatte und dies mit dem vom Bundestag beschlossenen Mindestlohn für Postdienste begründete. "Damit ist der Aufbau des Geschäfts praktisch unmöglich", so der Konzern.

Thiel begründete seinen Rückzug am Dienstag mit dem "kommunikativen Verhalten" des Springer-Konzerns. Döpfner hatte die Verhandlungen am Montag abgebrochen. Laut Spiegel hatte sich Thiel in einem Brief zuvor bei Döpfner beschwert: Springer habe die Verhandlungen torpediert. Die Kommunikation des Konzerns gipfele "in verleumderischen Aussagen und tendenziöser Berichterstattung gegen meine Person", zitiert der Spiegel das Schreiben.

Multimillionär Thiel machte sein Vermögen in Zeiten des New-Economy-Booms mit seinem Unternehmen Thiel Logistics. Die Firma gehört heute mehrheitlich dem Investor Stefan Quandt.

Vollkommen aussichtslos scheint die Zukunft für die Pin Group aber nicht zu sein. In der Krisensitzung des Pin-Verwaltungsrates wurde auch ein Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger beraten, sagte ein Sprecher der WAZ-Mediengruppe. Sie ist mit 23 Prozent an der Pin Group beteiligt. Laut Gutachten sei das Geschäftsmodell der Pin Group auch mit dem neuen Mindestlohn von bis zu 9,80 Euro wirtschaftlich sinnvoll. Ein Sprecher der Consultingfirma lehnte auf Rückfrage dazu jeden Kommentar ab. "Wir glauben an die Pin", sagte gestern ein WAZ-Sprecher der taz.

Auch Pin-Sprecherin Simon glaubt nicht an ein endgültiges Aus: "Es kann nicht im Interesse Springers sein, das Unternehmen jetzt gegen die Wand zu fahren", sagte Simon. Allerdings drängt die Zeit: Nach Informationen von Focus Online braucht die Pin Group bis spätestens Mittwoch frisches Geld, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de