Potsdamer Platz: "Die Arkaden verschenken Potenzial"

Das Einkaufszentrum am Potsdamer Platz könnte sich besser verkaufen, sagt der Stadtplaner Jürgen Lembcke. Eigentlich könne die Mall mit der Londoner Oxford Street konkurrieren. Doch dafür fehlten hochpreisige Läden.

taz: Herr Lembcke, die Potsdamer Platz Arkaden werden zehn Jahre alt. Ist das Einkaufszentrum noch zeitgemäß?

Jürgen Lembcke: Die Arkaden bieten sogenanntes Urban Entertainment auf mittlerem Niveau. Das Konzept ist eher mittelmäßig, angesprochen sind auch Menschen mit eher unterdurchschnittlichem Einkommen. Das funktioniert ganz anständig - mehr aber auch nicht. Wie lange so etwas modern ist, dafür gibt es keine festen Zeiten. Aber in Deutschland dominieren die mittleren Einkommen, die Zielgruppe ist also nach wie vor da. Das Umfeld der Arkaden - Kino und Musical - lassen auch in Zukunft alltägliches Publikum erwarten.

Am Potsdamer Platz sind aber doch vor allem Touristen, und die sollen angelockt werden. Verschenkt das Zentrum Potenzial?

Auf jeden Fall. Die Architektur ist Durchschnitt, der Branchenmix auch. Mir haben schon Kollegen aus den USA gesagt, die Arkaden sehen aus wie ein Center in Minnesota in der amerikanischen Provinz. Dabei wäre der Potsdamer Platz ein Ort, um mit internationalen Standorten wie der Londoner Oxford Street zu konkurrieren. Immerhin ist Berlin die meistbesuchte Stadt in Europa hinter London und Paris.

Den Arkaden fehlt der Kick?

Ja, es hätte aufregender sein müssen. Entweder hochpreisiger, mehr Qualität - oder eben größere Flagship-Stores, die das Einkaufen zum Erlebnis werden lassen.

Die Arkaden waren eines der ersten innerstädtischen Einkaufszentren. Inzwischen sprießen solche Center wie Pilze aus dem Boden. Wie groß ist die innerstädtische Konkurrenz?

Ich könnte mir schon vorstellen, dass der Südwesten zur Gefahr wird - je mehr es dort gibt, desto weniger fahren die Menschen aus Steglitz und Zehlendorf an den Potsdamer Platz. Was man den Arkaden zugutehalten muss: Sie sind sehr gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden, was aus touristischen und ökologischen Gesichtspunkten bemerkenswert ist.

Gilt Ihre Kritik, die Arkaden seien zu provinziell, auch für andere Standorte in Berlin?

Man könnte hier viel mehr machen, sowohl hochpreisiger als auch spezieller. Denken Sie an die reichen Russen, die am Kudamm einkaufen, die könnten noch viel mehr Geld für Exklusives ausgeben. Im Gegenzug hätten die Händler an der Kastanienallee die Möglichkeit, mehr auf ihr charakteristisch alternatives Publikum zu setzen und sich darauf zu spezialisieren. In Berlin wird jede Menge Kaufkraft verschenkt.

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