Portrait Jürgen Klopp: Der Experte für Erfolg im Misserfolg

Seine Fangemeinde wird in schon bald vermissen. Seinen Expertenjob beim ZDF wird der neue Trainer von Borussia Dortmund demnächst aufgeben.

Als kumpelig und nett gilt der neue Trainer bei Borussia. Bild: dpa

Der Ballspielverein Borussia Dortmund verschickte gestern gegen 13 Uhr eine Pressemitteilung mit der Betreffzeile "Jürgen Klopp". Die Mail war erwartet worden, schließlich war eben jener Jürgen Klopp zwei Stunden vorher als neuer Trainer des Fußball-Bundesligisten vorgestellt worden.

Wer die Mail öffnete, staunte allerdings ein wenig. Es war weder etwas über die Vertragslaufzeit (zwei Jahre), das Alter Klopps (40) zu lesen noch die erwartbaren Aussagen, dass sich alle Beteiligten sicher seien, dass jetzt alles viel besser werde. Stattdessen teilte der Verein mit, dass Jürgen Klopp am Samstag im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF zu Gast sein wird und Dienstag in der ZDF-Talkshow von "Johannes B. Kerner". Das wiederum überrascht nicht, denn es gilt, die ZDF-Übertragungen von der Europameisterschaft zu promoten, bei denen Jürgen Klopp letztmals als Experte auftreten wird, an der Seite von - Überraschung - Johannes B. Kerner.

Jürgen Klopp ist ein Experte, wie ihn sich ein Sender nur wünschen kann. Er ist wirklich ein Experte, dazu eloquent, witzig, lächelt immer und redet nicht so unverbindlich durch den Wattebausch wie Moderator Kerner. Die Fußballfernsehfangemeinde wird Klopp nachweinen, wenn Oliver Kahn seinen Job im ZDF übernimmt. Kahn ist zwar ein Torwart-Titan und hat etliche Titel gewonnen, aber ob er den Fußball so gut und unterhaltsam erklären kann wie Klopp, der noch nie einen Titel gewonnen hat?

Jürgen Klopp, geboren in Stuttgart, hat in seinen sieben Trainerjahren beim 1. FSV Mainz 05 viermal am letzten Spieltag vor dem Aufstieg gestanden. Dreimal verpasste er das Ziel, nur 2004 gelang der Sprung in die höchste Spielklasse, die der Klub dann drei Jahre später schon wieder verlassen musste. Der Aufstieg, die Kunst des stilvollen Scheiterns und Sich-wieder-Berappelns ließen "Kloppo" bundesweit zu einer Kultfigur werden. Erfolge waren bislang nicht zwingend notwendig, um Klopp zu mögen. Er ist damit ein Unikum im deutschen Fußball.

Bevor Klopp 2001 Trainer bei den Mainzern wurde, trug er schon elf Jahre das Spielertrikot des FSV. "Ich war nicht sonderlich erfolgreich, aber habe am Limit engagiert Fußball gespielt", sagte er gestern. Der Ehrgeiz ist die Triebfeder des Diplomsportwissenschaftlers, der mit einer Kinderbuchautorin verheiratet ist und aus erster Ehe einen Sohn hat. Klopp gilt als extrem ambitioniert und als jemand, der diesen Ehrgeiz auf seine Mannschaft übertragen kann. Ihm haftet allerdings vor allem das Image eines netten, kumpeligen Trainers an. Auch das verschwieg die gestrige Mail seines neuen Arbeitgebers.

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