Personenführung #76: Sabine Seifert

Die Texte-zur-Welt-Bringerin

Sabine Seifert sorgt dafür, dass aus rohen Textgebilden des Reportage-Ressorts Diamanten werden.

Bild: Amelie Losier

Klänge es nicht irgendwie auch bieder, müsste man über diese Kollegin sagen: Sie ist die Zuverlässigkeit selbst. Sabine Seifert betreut seit einigen Jahren die Reportageseite der taz. Wer eine erzählte Livegeschichte ins Blatt bringen will, wendet sich am besten an sie, stellvertretende Leiterin des Ressorts Reportage und Recherche. Und sie ist eine Meisterin ihres Fachs.

Sabine Seifert, geboren 1957 in Ostberlin, aufgewachsen in Köln, Germanistikstudium in Bielefeld und in Hamburg, ist der taz seit den frühen achtziger Jahren verbunden.

Dem Europäischen verpflichtet

Mehrere Jahre verantwortete sie die Kulturseiten der taz.hamburg. Dort brachte sie – Spezialität: die kleinen, alternativen Bühnen – der Leserschaft bei, im Theater mehr als nur das Klassische zu suchen, sondern besonders dem Experimentellen gegenüber die Neugier wachzuhalten.

Aber das, so würde sie auch heute noch sagen, bitte mit Qualitätsbewusstsein. Nach zwei Jahren in Frankreich als Kulturkorrespondentin und anschließend als Hörfunkautorin und Übersetzerin in Deutschland arbeitend, kehrte sie 1990 zur taz zurück, diesmal allerdings in die Berliner Zentrale als für das Theater zuständige Redakteurin.

Später wechselte sie als politische Redakteurin ins Schwerpunktressort. Sie ist eine ausgesprochen stark an Europäischem interessierte Kollegin, Englisch sprechend, Italienisch, vor allem aber ein fast akzentfreies Französisch.

Sprachliche Eleganz, lakonischer Stil

Neben ihrem Job als „Texte von anderen zur Welt”-Bringerin ist sie auch selbst als taz-Autorin tätig – und das mit sicherem Blick für die Themen, die niemand sonst aufgriffe: Über die französische Krimiautorin Dominique Manotti schrieb sie in der taz unter dem Titel „Die schwarze Seherin”.

Unter der Überschrift „Ruhig gestellt” war von ihr eine schwierige Psychiatriegeschichte zu lesen. Anfang des Jahres reiste sie nach den Terrorattacken gegen das Satiremagazin Charlie Hebdo nach Paris, um für die taz zu berichten: „Die Moschee des Attentäters” hieß ihr beunruhigender Bericht aus einer nervöser werdenden Metropole.

Ihr Stil ist ein lakonischer, sprachlich mit Eleganz jedes Klischee meidend. Sabine Seifert darf als ein wichtiger Ruhepol in der taz-Redaktion verstanden werden, mit feiner Wahrnehmung für die Aktualität einer Geschichte wie für deren Aufbereitung aus scheinbar randständigen Episoden.

JAN FEDDERSEN