: Orangeisten und der 12. Juli
Portadown, eine Kleinstadt südwestlich von Belfast, beherbergt ein Kleinod in der Carnegie Library, der Stadtbücherei: die bestickte Satteldecke, auf der Wilhelm von Oranien am 12. Juli 1690 in die Schlacht am Boyne geritten sein soll. Damals besiegte Wilhelm seinen katholischen Widersacher Jakob II. und sicherte dadurch die protestantische Thronfolge in Großbritannien. Noch heute ist dieser Tag der Höhepunkt der protestantischen Marschsaison.
Der Orangeisten-Orden, der die Paraden organisiert, wurde 1795 als protestantischer Geheimbund mit streng anti- katholischer Ausrichtung gegründet. Ihm gehören alle führenden Politiker der unionistischen Parteien an. Sein Ziel war es, „den König und dessen Erben so lange zu unterstützen, wie diese ihrerseits die protestantische Bewegung unterstützen“. Offiziell wurde die Vereinigung 1820 aufgelöst, doch ihre Mitglieder organisierten sich in Logen und blieben aktiv.
Die Parade in Portadown findet seit 189 Jahren Anfang Juli statt. Sie ist wegen der Streckenführung in die Schlagzeilen geraten: 1969 zu Beginn des Nordirlandkonflikts waren die Viertel rund um die Garvaghy Road, durch die man paradieren will, von Protestanten und Katholiken gleichermaßen bewohnt.
Im Laufe der Auseinandersetzungen Anfang der siebziger Jahre wurden die Arbeiterviertel immer stärker segregiert: Katholischen Familien, denen die Häuser in protestantischen Vierteln angezündet worden waren, zogen in andere Gegenden, aus denen wiederum die Protestanten weggingen. Heute leben in der Garvaghy Road nur noch Katholiken, die in der Parade eine Provokation sehen. RaSo
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