: Noch im Labor, bald im Regal?
Die Forschung arbeitet an veganen Alternativen für Leder und Kosmetik. Vegane Milchprodukte könnten zudem bald cremiger werden
Ein Leben ohne tierische Produkte war lange eine große Herausforderung. Dank neuer Entwicklungen ist dieser Verzicht in fast allen Lebensbereichen einfacher geworden. Dennoch ist Qualität bei vielen Angeboten nach wie vor ein Thema. Und noch nicht überall gibt es vegane Alternativen zu bisherigen Anwendungen. Forschende entwickeln hierfür neue Wege und Anwendungen. Ein paar davon werden hier vorgestellt.
Stoffe, die Leder ersetzen, gibt es bereits einige. Für Verbraucher spielen dabei vor allem Haptik, Flexibilität, Haltbarkeit, Aussehen und Geruch eine wichtige Rolle, wie ein Workshop des EU-Projekts Fabulose ermittelte. An Materialien, die dem Original noch näher kommen, arbeitet unter anderem die Textilfabrik 7.0 im Rheinland. Das Gemeinschaftsprojekt wissenschaftlicher Einrichtungen und Verbände der Textil- und Bekleidungsindustrie entwickelt Verfahren, bei denen Textilien mithilfe von natürlichen Farbstoffen gefärbt werden können, beispielsweise aus Tee oder Granatapfelschalen. Beim Entfärben und Bleichen, etwa von Jeans, setzt die Textilfabrik 7.0 Lasertechnik und Pilzkulturen ein. Aus der dabei entstehenden Substanz können vegane Lederalternativen hergestellt werden.
Damit es besser schäumt
Rein pflanzliche Nahrung liefert die Natur zwar ohnehin in großem Umfang. Doch viele, die vegan leben, wollen dabei nicht auf Lebensmittel verzichten, die eigentlich aus tierischen Zutaten bestehen. Insbesondere bei Milchprodukten haben die veganen Alternativen Nachteile. Hafermilch schäumt mal perfekt und mal gar nicht. Der vegane Joghurt wird einmal cremig, das nächste Mal grisselig. Hinter solchen Schwankungen steckt oft nicht die Rezeptur, sondern der Rohstoff: Pflanzenproteine verhalten sich je nach Herkunft, Verarbeitung und Charge unterschiedlich. Genau hier setzt ein neues Forschungsprojekt der Technischen Universität Berlin und der Universität Hohenheim an. Deren Team entwickelt standardisierte Methoden, um das technofunktionelle Potenzial von Pflanzenproteinen messbar und vergleichbar zu machen – also Eigenschaften wie Löslichkeit, Emulgierfähigkeit, Gelbildung und Schaumbildung.
Hinsichtlich Proteinen als Grundlage zahlreicher biologischer Prozesse befasst sich das VDI Technologiezentrum mit KI-Systemen. Diese ermöglichen es heute, Proteinstrukturen deutlich schneller zu analysieren und Zusammenhänge zwischen Aufbau und Funktion besser zu verstehen. Darüber hinaus erlaubt KI auch die gezielte Gestaltung völlig neuer synthetischer Proteine mit maßgeschneiderten Funktionen, die so in der Natur nicht vorkommen. Das eröffnet unter anderem neue Perspektiven in der Kosmetik: Biotechnologisch hergestellte Proteine ermöglichen tierfreie Alternativen wie veganes Kollagen und werden als Transportvehikel für Wirkstoffe in der Hautpflege eingesetzt. Lars Klaaßen
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