Neuer SPD-Geschäftsführer Wasserhövel: Der erste Diener seines Müntes

SPD-Schattenmann Wasserhövel zieht seit mehr als einem Jahrzehnt für seinen Förderer Müntefering die Strippen in der Partei. Nun wird er ihr Bundesgeschäftsführer.

Vielen zu schweigsam: Kajo Wasserhövel. Bild: dpa

Die Spur führt ins Münsterland der 80er-Jahre. An einem Bocholter Gymnasium fordert Karl-Josef "Kajo" Wasserhövel die Verstaatlichung von Betrieben. Später schwingt der Juso an der Uni Münster auf einem Lkw-Anhänger große Reden. Diese Erinnerungen eines Mitschülers verdienen Erwähnung, weil es wohl das letzte Mal war, dass sich der neue SPD-Bundesgeschäftsführer bei einer lauten Meinung ertappen ließ. Seit 13 Jahren macht der 46-Jährige als stiller Organisator auf sich aufmerksam.

Wobei aufmerksam das falsche Wort ist: Der verheiratete Vater zweier Söhne verrichtet derart treu und lautlos seinen Dienst an Münteferings Seite, dass Spötter ihn dessen ersten Jünger nennen. 1995 fing er bei NRW-Arbeitsminister Müntefering an, wurde Referent des SPD-Geschäftsführers Müntefering, leitete das Büro des Verkehrsministers Müntefering. Wurde Büroleiter des Generalsekretärs Müntefering, 2002 dann Büroleiter des Fraktionsvorsitzenden, na? genau: Müntefering. Entsprechend fallen die Attribute aus, die dem Politmanager zuteil werden: Spin Doctor, Schattenmann und Schweiger. 2004 machte die SPD ihn das erste Mal zum Geschäftsführer und Wahlkampfleiter. Darin hatte Wasserhövel Erfahrung: 1998 arbeitete er an der rot-grünen Wende mit, 2002 leitete der Computerfan den Online-Wahlkampf. Vor der Wahl 2005 strahlte er noch Zuversicht aus, als die Grabreden schon geschrieben waren - und behielt Recht.

Beobachter streichen seine Eigenschaften heraus, die ihn zum Strippenziehen wie gemacht erscheinen lassen. Klug sei er, uneitel und verschwiegen, dazu mit administrativem und politischem Talent gesegnet. Das Unspektakuläre, das Müntefering auszeichnet, hat er zur Perfektion getrieben, nicht einmal Hobbys sind überliefert. "Wasserhövel, der Über-Münte", schrieb die Welt.

Am politischen Talent aber zweifeln manche Genossen, zu wenig sind ihnen klare Positionen erkennbar. So wurde der 31. Oktober 2005 zu Wasserhövels folgenreichstem Tag: Müntefering schlug ihn als Generalsekretär vor - Wasserhövel verlor gegen Andrea Nahles. Dabei spielte Flügelarithmetik eine Rolle, aber auch, dass Wasserhövel für viele ein Sekretär, aber kein General war. Müntefering trat zurück, Wasserhövel wurde Staatssekretär.

Im Willy-Brandt-Haus erwartet ihn nun auch die Wahlkampfleitung für 2009. Diese Herkulesaufgabe wird er am 8. November hoffentlich ruhen lassen können. Dann trifft sich der Abiturjahrgang 1983 des Bocholter St.-Georg-Gymnasiums zur 25-Jahr-Feier. Die Mitschüler hoffen auf einen Kajo, der nicht so schweigsam ist, wie seine SPD ihn erlebt.

HENDRIK HEINZE

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de