Neue Strandbar in Friedrichshain-Kreuzberg: Die Party geht weiter

Nach langem Hin und Her hat das Kater Holzig, inoffizieller Nachfolger der Bar 25, seine Pforten geöffnet. Die Feiergesellschaft bekommt eine neue Location. Zumindest diesen Sommer.

Keine Bar, aber immerhin ein Strand: Im Sommer zieht es die Berliner an die Spree. Bild: dapd

Die Sängerin der Band Chinawoman ist begeistert. "A nice new place", urteilt Michele während ihres Auftritts. Die Menge johlt und gibt Beifall, wenn solche Sätze von der Bühne in den kleinen Konzertsaal geworfen werden. Dann geht es weiter mit den melodramatischen Melodien der Band - einer Verschmelzung von sowjetischer Ballade und düsteren Synthesizerklängen. Der neue, nette Ort, das ist das Kater Holzig in der alten Seifenfabrik am südlichen Spreeufer unweit der Jannowitzbrücke. Am Samstag fand hier die erste große Veranstaltung in der neu geschaffenen Partylocation statt: das Anti-Folk-Festival "Down by the river".

Ein kleiner Mythos wurde schon vor der Öffnung der Tore aus dem neuen Partyort zwischen dem von der Räumung bedrohten Kiki Blofeld und der Strandbar Lichtpark gemacht - betreten durfte das Gelände vor der Eröffnung nämlich niemand. Die Betreiber schwiegen sich im Vorfeld über die Details der Umbaumaßnahmen aus. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen: Zwei Bühnen, mehrere Bars, eine Dachterrasse und ein Restaurant sind auf den vier Etagen entstanden, die von einem roten Backsteinschornstein überragt werden. Man hat den Eindruck, dass hier eine kleine Stadt zwischen der Spree und der Köpenicker Straße kreiert wurde, Mitbetreiber Christoph Klenzendorf sprach vor der Eröffnung von einer "Kulturtagesstätte".

Diesen Anspruch erfüllte das "Down by the river"-Festival. Keine Electrobeats waren der musikalische Hintergrund für die Eröffnungsveranstaltung, sondern ein experimentelles Antifolk-Fest, das in diesem Jahr bereits in seine dritte Runde ging. Im Innenhof der ehemaligen Fabrik, der bis an das Ufer der Spree reicht, sammelte sich eben nicht das Berliner Electropublikum, sondern die bunt gemischte Anhängerschaft der Lo-Fi- und Antifolk-Szene.

Die Atmosphäre am Samstag war familiär. Einige Kinder rannten um Jeffrey Lewis herum, den Hauptact des Abends, während der im Innenhof plauderte. Auch er gab später auf der Bühne noch sein Bekenntnis zum neuen Kulturstandort ab, als er das dicht gedrängte Publikum fragte, warum man nicht schon die letzten vier Jahre auf dem Gelände verbracht habe.

Ein voller Erfolg ist das Festival schon gewesen, bevor Jeffrey Lewis um Mitternacht die Bühne betrat: Bereits um 18 Uhr waren die Karten für den Eintritt ausverkauft. Es bildeten sich trotzdem Schlangen vor dem Eingang, um Zutritt zu dem Areal zu bekommen, auf dem sich bis März 2010 nur der Wagenplatz "Schwarzer Kanal" befand. Das Publikum innerhalb der Backsteinwände war derweil sichtlich zufrieden mit dem Geschaffenen. "Genau für solche Orte ist Berlin bekannt", sagte der Psychologiestudent Mads aus Dänemark und zeigte sich begeistert von der erhaltenen Ruine. Der gedrängte Innenhof und die hohen roten Backsteinwände erinnern an das linke Hausprojekt Köpi, das sich unweit vom Kater befindet.

Nur einen schrägen Steinwurf ist die neue Berliner Kultur- und Partylocation von der im vergangenen Herbst geschlossenen Bar 25 entfernt - nicht die einzige Verbindung zwischen den beiden Orten am Friedrichshainer Spreeufer. Noch vor der Eröffnung der umgebauten Backsteinruine hatte Ex-Bar-25-Mitbetreiber Klenzendorf gesagt, dass dort weder ein Technoclub noch eine neue Bar 25 entstehen solle. Doch der neue Ort kann sich diesem Vergleich nicht entziehen. Hohe Erwartungen wurden vom Publikum an das Programm des Kater Holzig gestellt: "Ich glaube, dass es noch hundertmal besser wird als in der alten Bar 25", sagte ein Besucher am Eingang der Michaelkirchstraße. Auch das "Down by the river" fand in seinen ersten beiden Veranstaltungen seine Heimat in der ehemaligen Strandbar. So richtig kann sich auch das Team vom Kater Holzig der Verbindung zum ehemaligen Standort nicht entsagen. So bieten personelle Überschneidungen in den Organisationsteams Anlass zum Vergleich: Hayk Serig etwa ist schon Küchenchef in der Bar 25 gewesen und geht diesem Job auch in der neuen Location nach.

Zudem steckt die geschlossene Strandbar auch im Detail der aufwendig umgestalteten Ruine. An der hohen Hauptwand im Innenhof prangt ein meterhohes Skelett, hinter dessen Rippen ein Herz mit einer eingravierten 25 schlägt. Zugleich zeigt das Graffito auch die Symbiose von Alt und Neu, die dem Kater eigen ist: Rechts von dem Skelett steht der Schriftzug "Lebe Lieba Frei", ein Relikt aus Zeiten, in denen das Gebäude noch nicht kommerziell genutzt wurde und nur durch heimliche Besuche in den Nächten bekannt war. Unklar bleibt, wie lange das Areal vom Kater Holzig genutzt werden wird. Ein bis zwei Jahre, schätzten die OrganisatorInnen am Samstag. Schon die Bar 25 musste schließen, weil dort im Rahmen des Investorenprojekts Mediaspree ein Bürohochhaus gebaut werden soll. Das benachbarte Kiki Blofeld räumt sein Areal im Herbst, dann baut dort eine Genossenschaft drei Wohnblöcke mit 60 Wohnungen.

Auch der Kater hatte schon vor seiner Eröffnung mit den bürokratischen Hürden des Bezirks Mitte zu kämpfen. Die für den 1. Juni geplante Eröffnung hatte sich immer wieder durch die fehlende Zustimmung des Bezirksamts verschoben. Die Zukunft des Katers bleibt also unklar. Davon ließen sich die Besucher des "Down by the river" ihre Stimmung nicht trüben.

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