Neue Staffel "Mord mit Aussicht": Eifelwitze, so weit wie die Landschaft

Sophie Haas, verhinderte Kölner Morddezernatsleiterin, ermittelt wieder als Dorfbullin im schönen Lengasch. Diesmal wird's sogar richtig kriminell, und am Ende gibt's für alle Kartoffelsalat. (Di, 20.15 Uhr, ARD).

Woran ist die tote Bäuerin wirklich gestorben? Am Schnaps lag es nicht. Bild: ard

"Sind Sie verheiratet" - "Nee." - Und wie machen Sie das?" - "Ich gehe joggen." Schon klar: Die Eifel, das belegt auch dieses kleine Geplänkel zwischen Tierarzt und Kommissarin, ist nicht eben das aufregendste Pflaster für geschlechtsreife Großstädter zu Paarungszeit. Dafür zeigen diverse Ureinwohner ein gar merkwürdiges Verhalten, und so gibt es zum Auftakt der neuen Staffel von "Mord mit Aussicht" immerhin jede Menge für das Polizeirevier von Hengasch zu tun.

Zu allem Überfluss ist Kommissarin Sophie Haas (Caroline Peters) gerade mitten im Umzug - und der Vermieter ausgerechnet ihr Vorgänger als Dorfbulle. Und Hans Zielonka (Michael Hanemann) mischt sich prompt auch jetzt wieder in die Ermittlungen ein: Wer hat der alten Bäuerin Katharina bloß mit dem Diamantbohrer ein Loch in den Kopf gebohrt, um die durch den bodenständigen Verzehr heimischer Spirituosen eigentlich noch ganz gut lagerfähige alte Dame ein bisschen fixer ins Jenseits zu befördern?

Im Verdacht stehen natürlich die etwas stullen erwachsenen Kinder der Verblichenen, die immerhin einen Apfelhof zu vererben hat, auf dem zur grenzenlosen Verwirrung des Zuschauers allerdings immer Eier gekauft werden. Dazu kommen noch die krude Krankenpflegerin mit dem Oberlippenbart, die geistig verwirrte Schwester der Toten, sowie, ganz zeitgemäß, die katholische Kirche.

Jetzt kann Haas also endlich mal die Kölner Großstadtermittlerin raushängen lassen und ihren Butterbrot mümmelnden Landeier-KollegInnen Schmied und Schäffer zeigen, dass sie als kommende Leiterin einer echten Metropolen-Mordkommission keine natürlichen Feinde hätte. Wenn da nicht der böse Polizeichef wäre, der sie so erbarmungslos in die Eifel verbannt hatte. Der Mord löst sich zwar erst spät, Haas gerät zwischenzeitlich sogar richtig in Gefahr. Doch am Ende wird alles gut, und nur Schäffers resolutes Eheweib rätselt weiter, wie man echten Eifler Kartoffelsalat ganz ohne Mayonnaise gut finden kann.

„Mord mit Aussicht“ brilliert auch im zweiten Durchgang mit ein paar besseren Gags und manch arg unsubtilen Schenkelklopfern. Überhaupt scheint in der ersten Staffel mehr Material vorhanden gewesen zu sein, während sich jetzt jeder Witz über eine ganze Folge strecken darf. Damit ergeht es "Mord mit Aussicht", das zuletzt einer der Überraschungs-Quotenerfolge der ARD war, wie vielen Großstadt-trifft-Land-Stoffen: Die wirklich guten Sachen sind schnell verbraucht, Witze über den Diebstahl von Muttererde oder Kinder, die Kühe umschmeissen, lassen sich nicht beliebig oft wiederholen. Und wo ist überhaupt das Eulenviech hin, das der Kommissarin so artfremd wie artig in früheren Folgen immer beim Rauchen zusah?

"Mord mit Aussicht: Blutende Herzen", Dienstag, 20.15 Uhr, ARD

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