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■ Über Fachmessen und dort nicht Eintretende
Heute trifft sich die Öko-Branche, um auf der BIO FACH 93 hinter verschlossenen Türen zu beraten. Seitdem wir unser Spezial zu diesem Termin ankündigten, terrorisiert ein Veranstalter die taz-Belegschaft. Alle wissen's nun: die BIO FACH 93 ist, wie der Name schon sagt, eine Fachmesse. „Und ich lasse da keinen Normalen rein!“ hämmerte uns Herr Sunder ein. „Sagen Sie das Ihren Lesern.“ Gemacht.
Aber, was der Leser nicht weiß, macht ihn schon heiß! What's about BIO FACH? Kollektives Wundenlecken treibt die Ökofachgemeinde nach Wiesbaden. „Die Umweltbewegung in der Eiszeit und auf dem Öko-Markt die Krise“ – so sieht die Fachzeitschrift umwelt direkt die Stimmung. Mutmachen wird dagegengesetzt und, unverkennbar, ein Motto: Raus aus der Schmuddelecke der „Müsli“ knabbernden TrägerInnen des Entenschuhs! Professionelles Öko-Marketing heißt die Devise der Branche, die seit Jahren gesunden Bauches wirtschaftlich dilettiert. Noch vor Weihnachten brummten in der evangelischen Landjugend-Akademie im rheinland-pfälzischen Altenkirchen die Schädel Umweltbewußter. Ein Öko-Manager wedelte, kaum zu einem Nahrungsmittelriesen übergelaufen, mit bunten Prospekten. „Die Werbebotschaft wird einfach sein und emotional ansprechen.“ Die „Müslis“ knurrten ob der Eroberungsfeldzüge, die mit ihren banalisierten Ideen in den Supermarktregalen gestartet werden. Der Weltdachverband der biologisch arbeitenden Erzeuger, IFOAM, veranstaltete das Seminar. Der Verband freute sich, daß die EG die Kennzeichnungsverordnung für Bio- Lebensmittel „weitgehend nach IFOAM-Richtlinien geschrieben“ hat. Und sofort brach die Angst um die Müsli-Klientel aus. Jeder Handelsriese kann nun, hält er sich an die EG-Regelung, eine echte Bio-Marke auf den Markt werfen. Wieder mal ein grüner Punkt also auf dem ganz normalen Wahnsinn. Mahlzeit! cif
Messedurstigen sei die Internationale Grüne (Freß-)Woche hier in Berlin empfohlen (21.–31. Januar). Wer noch ein bißchen warten kann, ist herzlich zur ÖKO 93 des BUND in Ulm eingeladen (18.–21. Juni). Von Herrn Sunder persönlich.
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