■ Mit Eisenbahnbauern auf du und du: Da waren's nur noch vier
Berlin (taz/rtr/dpa) – Fünf Konzerne sind heute in der Lage, komplette Eisenbahnen zu bauen. Die entsprechenden Sparten von Asea Brown Boveri, Siemens, Daimler-Benz, GEC-Alsthom und Fiat liefern nach Wunsch Loks, Wagen, Stellwerke und alles andere, wovon Männer jeden Alters träumen. Am Ende dieses Jahres spielen nur noch vier in dieser Weltliga mit, ganz oben die neue Gesellschaft „ABB Daimler Benz Transportation“.
Mit gewissem Sinn für Symbolik hat Daimler-Chef Edzard Reuter am Mittwoch Percy Barnevik, den Vorsitzenden des schwedisch-schweizerischen Konzerns Asea Brown Boveri (ABB), nach Berlin eingeladen, um hier, wo Johann Friedrich August Borsig einst seine Lokomotiven baute, eine weitere Epoche des Eisenbahnzeitalters zu verkünden. Daß auch die Deutsche Bahn AG wieder in der deutschen Hauptstadt sitzt, ist angesichts des globalen Formats der neuen Gesellschaft eher nebensächlich. Die „ABB Daimler Benz Transportation“ wird in 40 Staaten mit 22.000 Arbeitskräften über sechs Milliarden Mark Umsatz machen, Aufträge im Wert von über acht Milliarden Mark stehen in den Büchern der beiden heute noch getrennten Eisenbahnabteilungen, der ABB-Verkehr und der aus der Daimler-Tochter AEG schon ausgegliederten „AEG Schienenfahrsysteme GmbH“. Gewinn sollen sie zusammen schon im nächsten Jahr einspielen, anders als heute, da sie ihren Muttergesllschaften Löchern in Bilanz reißen. Marktanalysen kommen zum Schluß, das bis zum Jahr 2000 die weltweiten Investitionen in den Schienenverkehr jährlich um acht Prozent wachsen. Schwellenländer brauchen Fernlinien, Großstädte U-Bahnen. ABB- Daimler hat alles in einer Hand, schnelle Loks, Neigezüge, Niedrigflurwagen, Leitsysteme. Über das Ausmaß der Rationalisierungen wollten Reuter und Barnevik noch nicht sprechen. Die Personalschnitte dürften grausam werden. Geschäftsführer der in Berlin residierenden Gesellschaft wird der Däne Kaare Vagner, AEG-Chef Ernst Georg Stöckel darf sich mit dem Aufsichtsratsvorsitz begnügen. 900 Millionen Dollar muß Daimler zuschießen – die AEG gilt als der schwächere Partner. Dafür steht ABB die ICE-Hochgeschwindigkeitstechnik offen, die AEG zusammen mit Siemens, dem letzten deutschen Konkurrenten, entwickelt hat. Die auch einmal geplante Fusion dieser beiden Eisenbahnbauer hat das deutsche Kartellamt verboten. Über ABB und Daimler müssen noch die EG-Kartellgremien entscheiden. Niklaus Hablützel
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