Minderjährige handeln mit: Kinderdealer sollen in den Knast

Die "Kinderdealer" sind in aller Munde - und damit die Forderung nach geschlossenen Heimen. Dabei handelt es sich nur um absolute Einzelfälle.

Er ist erst 11 und wurde am Montag zum elften Mal beim Dealen mit Heroin erwischt. Laut aufgeregten Medienberichten ist der "Kinderdealer" kein Einzelfall - und prompt werden alte Forderungen nach geschlossenen Heimen für Minderjährige laut.

Seit Ende voriger Woche berichten Berliner Medien groß von dem Problem der mit Drogen dealenden Kindern, die wiederholt von der Polizei aufgegriffen wurden. Doch Fälle wie der des 11-Jährigen und seiner "Komplizen", die die Polizei am Montag fasste, sind die Ausnahme: In diesem Jahr wurden laut Polizeiangaben fünf Minderjährige polizeilich als Drogendealer festgestellt. Das bestätigt auch Beate Köhn, Sprecherin des Kindernotdienstes, zu dem die Polizei am Montag einen aufgegriffenen 13-jährigen Jugendlicher brachte: "Von einem plötzlich auftretenden Phänomen dealender Kinder kann keine Rede sein, es war bei uns der erste Fall in diesem Jahr", sagte Köhn der taz.

Die Polizei kann die unter 14-jährigen, also strafunmündigen, Kinder nicht festnehmen, sondern bringt sie zu den Sorgeberechtigten oder - wenn sie diese nicht zu Hause sind - zum Kindernotdienst. Der am Montag aufgegriffene arabischstämmige 11-Jährige wurde zurück in ein Heim für asylsuchende Kinder gebracht; er lebt dort, da er ohne Eltern nach Deutschland eingereist ist. Da der Junge bereits zum elften Mal von der Polizei aufgegriffen wurde und diese Heime offen sind, häufen sich nun die Forderungen nach einer Unterbringung minderjähriger Dealer in geschlossenen Heimen. Heime, in denen Kinder kommen und gehen könnten, wie sie wollen, seien völlig sinnlos, sagte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) am Dienstag.

Damit unterstützt er die CDU und die Gewerkschaft der Polizei, die bereits seit Jahren geschlossene Heime fordern. "Kollektives Versagen" warf Emine Demirbüken-Wegner, die jugendpolitische Sprecherin der CDU, dem Senat angesichts der aktuellen Fälle vor und forderte: "Die Unterbringung in geschlossenen Heimen ist für aktenkundige Mehrfachtäter zwingend geboten."

Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) ist nach wie vor dagegen: "Die Kinder brauchen keine Mauern, sondern eine intensive Betreuung", erklärte ihr Sprecher am Dienstag. "Mit Kinderknästen ändert man nichts", findet auch Monika Herrmann (Grüne), Jugendstadträtin Friedrichshain-Kreuzberg. "Der Senat muss sich vielmehr um die organisierte Drogenkriminalität kümmern." Für ein eingesperrtes Kind fänden die Drogenbanden sofort Ersatz, der Job sei einfach zu verlockend. So würden manche Flüchtlingskinder, deren Familien keine Arbeitserlaubnis haben, mit der Dealerei den Lebensunterhalt ihrer Angehörigen verdienen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben