Mehr Jobs möglich: McKinsey prüft Berlin

Wenn Berlin jetzt die Weichen richtig stellt, sind bis zu einer halben Million neuer Jobs möglich, befinden Unternehmensberater von McKinsey.

Eine halbe Million neuer Jobs seien in Berlin möglich, glauben die Unternehmensberater. Bild: ap, Maya Hitij

Rein berufliches Interesse ist es wohl nicht gewesen, das Katrin Suder und ihre Kollegen von McKinsey zu ihrer Betrachtung bewegt haben: "Unsere Stadt" betiteln die Unternehmensberater eine Studie zu den Wirtschaftsperspektiven Berlins bis 2020. Diese haben sie "Pro Bono" erstellt, also ohne Auftraggeber und ohne Bezahlung. Auch aus "Liebe zur Stadt" habe McKinsey mit Entscheidern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gesprochen und zahlreiche Daten ausgewertet, sagte die Berliner Büroleiterin Suder. Mit hoffnungsvollem Ergebnis: Eine halbe Million neuer Jobs sei möglich, wenn in der Stadt nun die Weichen richtig gestellt würden.

"Das Ziel ist ambitioniert, aber machbar", so Suder bei Vorstellung der Studie am Montag. Derzeit sei Berlin zu sehr mit sich selbst beschäftigt - in fast allen anderen Städten arbeiteten mehr Menschen im wertschöpfenden Bereich. Die Berater haben vier Wachstumskerne ausgemacht: Tourismus, E-Mobilität, die Informations- und Kommunikationsbranche sowie die Gesundheitswirtschaft. "Das sind die Themen der Zukunft", sagte Suder. "Wenn es gelingt, in diesen Branchen führend zu werden, kann Berlin Modellstadt werden."

Nach Ansicht von McKinsey können in den kommenden zehn Jahren bis zu 160.000 Arbeitsplätze in den diesen Wachstumskernen entstehen. Dazu kämen zwei bis drei Mal so viele Jobs etwa bei Zulieferern - der so genannte Multiplikatoreffekt. Wichtig sei, dass exportfähige Produkte und Dienstleistungen geschaffen würden.

Beispiel Elektromobilität: Die Branche sei derzeit Thema, sagte Boris Maurer, bei McKinsey zuständig für die Initiative "Berlin 2020". "In einer Metropole muss es einen Feldversuch geben - das kann Berlin sein, wenn es sich dafür einsetzt", so Maurer. Die Ansage des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD), Berlin zur Modellstadt für Elektromobilität machen zu wollen, lasse daher hoffen.

Das gleiche gilt den Beratern zufolge für die Glasfasertechnologie, die in Zukunft zum Standard werden dürfte. "Wir drohen uns von der Entwicklung abzukoppeln, wenn wir nicht zumindest an einigen Standorten die Voraussetzungen für solche Netze schaffen", sagte Maurer. Das Web 3.0 werde ein Glasfasernetz - entweder mit oder ohne Berlin.

Mit den zu erwartenden Stellen steigt der Bedarf nach Fachkräften. Bis zu 15.000 Akademiker pro Jahr würden wohl zusätzlich zum Bestand gebraucht. "Die akquiriert man am besten selbst, gleich von der Hochschule weg", sagte Suder. Studien zeigten, dass Absolventen am liebsten in der Stadt ihrer Ausbildung blieben.

Ausdrücklich nahmen die Berater den Senat von Kritik aus. Ziel und Zweck der Studie sei nicht, vergangene Entscheidungen zu kritisieren, so Maurer. "Der Senat hat die Wachstumskerne schon erkannt." Um so wichtiger sei es, nun einzuhaken, bevor andere Städte das Rennen um Zukunftstechnologien für sich entschieden.

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