Mehr Jobs bei Bahn: Kurz vorm Börsengang

Die Teilprivatisierung steht bevor. Bahn-Arbeitsdirektor Hansen kündigt mehr Stellen an. Gleichzeitig fordert er von den Gewerkschaften Benimm und droht mit Auslagerungen.

Der gesamte Personen- und Güterverkehr soll noch in diesem Jahr zu 24,9 Prozent an die Börse gehen. Bild: dpa

BERLIN taz Die Zeiten des Personalabbaus bei der Deutschen Bahn AG sollen erst einmal vorbei sein. "In der Summe wird es künftig keinen Beschäftigungsabbau geben, sondern eher einen Beschäftigungsaufbau", versprach der neue Personalvorstand Norbert Hansen bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Berlin. Die Bahn sei ein Unternehmen mit einem hohen Maß an sozialer Verantwortung, so der Exvorsitzende der Bahngewerkschaft Transnet, der im Mai überraschend seinen Seitenwechsel angekündigt hatte.

In einem Punkt nahm Hansen schon deutlich die Position des Arbeitgebers ein. Wenn es darum gehe, Ausschreibungen im Regionalverkehr zu gewinnen, müsse das Unternehmen handlungsfähig bleiben, um Arbeitsplätze langfristig zu sichern, so Hansen. Am besten sei es, wenn mit Gewerkschaften und Betriebsräten einvernehmliche Lösungen gefunden werden könnten. Sollte dies nicht gelingen, müsse der Konzernvorstand über Auslagerungen nachdenken. Auslagerungen sind eine Möglichkeit, Tarifverträge zu unterlaufen und so Personalkosten zu drücken.

Seinen Wechsel in den Vorstand verteidigte Hansen. Er habe sich immer für den integrierten Konzern eingesetzt. Deshalb sei der Vorwurf "aberwitzig", er habe seine Stellung als Gewerkschaftschef für einen Karrieresprung genutzt. Darauf könne man sich nicht 14 Jahre lang vorbereiten. Schon vor ihm seien Gewerkschafter auf den Posten des Arbeitsdirektors großer Unternehmen gewechselt.

Unterdessen laufen die Vorbereitungen für die geplante Teilprivatisierung auf Hochtouren. Dafür wurde der Konzern bereits in zwei Gesellschaften aufgespalten: Die Bahn AG, zu der das Schienen- und Energienetz gehört, verbleibt im hundertprozentigen Staatsbesitz; die DB Mobility Logistics AG (DB ML), zu der der gesamte Personen- und Güterverkehr gehört, soll noch in diesem Jahr zu 24,9 Prozent an die Börse gehen. Derzeit werde der insgesamt 600 Seiten umfassende Börsenprospekt von der staatlichen Finanzaufsicht geprüft, sagte Bahn-Finanzvorstand Diethelm Sack. Die erste Durchsicht des Prospekts werde in den nächsten zwei Wochen beendet, danach beginne die Feinabstimmung.

Geplant ist, 80 bis 85 Prozent der zu privatisierenden Anteile an institutionelle Anleger zu verkaufen; der Rest soll an Kleinanleger in Deutschland und Japan gehen. Um institutionelle Anleger anzusprechen, sind derzeit etwa 100 Präsentationen weltweit geplant; dabei werden auch Staatsfonds umworben. Über die erwarteten Einnahmen machte Sack keine Angaben. Während Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) noch im Frühjahr von fünf bis acht Milliarden Euro ausging, sehen unabhängige Experten den Erfolg des Börsengangs kritischer. Bestenfalls sei ein Erlös von drei Milliarden Euro möglich, so der Frankfurter Finanzanalyst Heino Ruland. RICHARD ROTHER

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de