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■ MedienschauWallfahrt auf Staatskosten

Necati Dogru, Kolumnist beim Massenblatt Sabah (Frankfurt), beschäftigte sich in seiner Kolumne unter anderem mit der Wallfahrt des Ministerpräsidenten. „Ministerpräsident Erbakan hat dieses Jahr zum 25. Mal in Mekka die Wallfahrt (Hadsch) begangen. Jedoch war er nicht alleine, er wurde von seiner Frau, seinen Kindern und Schwiegersöhnen, seinen Brüdern und deren Frauen, kurzum von einer 25köpfigen Gruppe begleitet. Man hatte von der Turkish Airlines eine Boeing 734-400 für den Flug nach Mekka angemietet. Und da das Flugzeug für 127 Menschen Platz hat, wurden des weiteren noch 94 Parteigenossen samt Gattinen mitgenommen. Das Flugzeug wurde für 50.000 Dollar angemietet, und da weder die Turkish Airlines noch der Ministerpräsident irgendeine Ermäßigung beantragten, scheint alles in geordneten Bahnen verlaufen zu sein. Jedoch bleibt zu fragen, ob bezahlt wurde und wer die Kosten übernommen hat. Der Flug wurde im Namen des Ministerpräsidenten geordert, hat dann etwa das Ministerpräsidentenamt die Rechnung beglichen? Die Auskunft von der Turkish Airlines bestätigt diese Annahme, also hat letztlich das Volk die Zeche beglichen. (...) Bei allem Verständnis für die religiösen Gefühle unseres Ministerpräsidenten ist es weder moralisch noch gewissenhaft, auf Kosten des Volkes mit der ganzen Familie zu wallfahren. Erbakan weist darauf hin, daß man unter den Wallfahrern das Geld gesammelt habe, und man muß ihm Glauben schenken, denn er ist schließlich Ministerpräsident. Doch wo sind die schriftlichen Beweise?“ 2. 5. 1997

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