Linkspartei will Schauspieler aufstellen: Ehrlicher ist nicht der Dumme

Ex-"Tatort"-Kommissar Peter Sodann wird als Kandidat der Linken für das Amt des Bundespräsidenten gehandelt. Er hat nicht den Hauch einer Chance - aber interessiert das den 72-Jährigen?

Der Letzte, der sich raushält: Schauspieler Peter Sodann. Bild: dpa

Offiziell ist die Personalie noch nicht. Und fragt man bei der Linkspartei nach, was es auf sich hat mit Peter Sodann als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, scheint es mit dem Kontakt zum Hoffnungsträger nicht weit her zu sein. "Spekulationen kommentiere ich nicht", sagt Pressesprecher Hendrik Thalheim, und im Übrigen habe er nicht einmal eine Telefonnummer von Herrn Sodann. Das allerdings verwundert. Noch tags zuvor hatte Thalheim der Bild am Sonntag gesagt: "Wir haben mit Sodann gesprochen."

Wie eng oder nicht der Kontakt zum Linken-Pressesprecher ist: Der Schauspieler Peter Sodann wird als Kandidat der Linkspartei für das Amt des Bundespräsidenten gehandelt. Geht alles glatt, würde er im Mai 2009 gegen Amtsinhaber Horst Köhler und die SPD-Bewerberin Gesine Schwan antreten. Kein leichtes Spiel für den 72-Jährigen. Aber derlei hat ihn nie geschreckt. Im Juli 2005 etwa hatte er angekündigt, zur Bundestagswahl als Spitzenkandidat der gerade zur Linkspartei fusionierten WASG und PDS antreten zu wollen. Sein Arbeitgeber, der MDR, drohte daraufhin, Sodann im Falle eines Mandatsgewinns nicht weiter als "Tatort"-Kommissar Bruno Ehrlicher zu beschäftigen. Mit der Bemerkung "lieber ein politischer Schauspieler als ein schauspielernder Politiker" zog er zurück.

Diesmal könnte es besser laufen. Peter Sodann hätte zwar nicht den Hauch einer Chance, gewählt zu werden, die Linke aber könnte sich mit einer Personalie schmücken, die ihren Wählerinnen und Wählern ein Höchstmaß an Identifikation böte. Denn der 72-jährige Hallenser gilt als unbequemer Ostler von Format. Schon in den 60er-Jahren wurde der Arbeitersohn aus Sachsen wegen eines regierungskritischen Kabarettprogramms von der Schauspielschule geworfen, er musste neun Monate ins Gefängnis und wurde auch gleich noch aus der SED ausgeschlossen. Intendantin Helene Weigel holte Sodann in ihr künstlerisches Schutzgebiet ans Berliner Ensemble, wo er große Erfolge feierte.

In den 80er-Jahren ging Sodann als Schauspieldirektor nach Halle. Dort, zwischen zerfallender Altbausubstanz und Plattenbauten, etablierte er mit dem "neuen theater" eine für DDR-Verhältnisse äußerst ambitionierte Spielstätte. Die ganze Zeit über wurde er komplett von der Stasi überwacht. Es ist eine von vielen Unwägbarkeiten von Sodann, dass ausgerechnet er nach dem Fall der Mauer in dem ZDF-Film "Deutschlandspiel" den Stasi-Chef Erich Mielke spielte.

Vor anderthalb Jahren hat Peter Sodann seinen letzten "Tatort" gedreht. Seither tourt er mit einem anderen Ehemaligen, mit Ex-CDU-Arbeitsminister Norbert Blüm, als eine Art Opakabarett durchs Land. Die Kritik grausts, die beiden haben aber offenbar jede Menge Spaß dabei.

Nun scheint er noch Kapazitäten zu haben - vielleicht, um sich öffentlich für die Linkspartei auseinandernehmen zu lassen. Aber das könnte ihn wohl kaum schrecken, er wäre bekanntlich der Letzte, der sich raushält.

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