LeserInnenbriefe:
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Diffuse Ängste bleiben
betr.: „Angst?“, taz vom 19. 11. 15
Ständig reiht sich ja eine „Bedrohung“ an die nächste. BSE, Ebola, Schweine-und Vogelgrippe; Wirtschafts-, Banken-, Griechenlandkrise; Terroranschläge, wie jetzt, und Kriege weltweit. Medien schlachten diese nicht aufhören wollende Folge von teils grausamen Ereignissen oft wochenlang aus. Unser „Innerstes“ muss dann irgendwie damit zurechtkommen, was oftmals misslingt. Übrig bleiben diffuse Ängste.
Egal welche Auslöser „Schwarmängste“ innerhalb unserer Gesellschaft bewirken, es gibt immer Einzelne, Lobbys, Unternehmer und Politiker, die sich diese Ängste ohne Scham zu Nutze machen. Angst lähmt unsere Denkfähigkeit und sie lenkt uns Volk auch ganz erheblich von anderen Themen ab (wie zum Beispiel Kürzungen in Sozialbereichen). Somit nützt sie auch Regierenden und „Mächtigen“ im Land. Grippe- oder andere Viren nützen auch der Pharma-Industrie, Kriege den Waffenhändlern und Legionären, marode Banken den Aktionären und Boni-Managern, weniger Rente indirekt den Reichen; weit überzogener Abbau von Grundrechten mit Bezugnahme auf „Terror“, wie jetzt in Paris wohl geschehen wird, fördert autoritäre Strukturen. Wem diese letztendlich nützen, weiß man wohl.
GEBHARD MACK-REISER, Burladingen
Flache Gründe
betr.: „100 Gründe, cool zu bleiben“, taz vom 20. 11. 15
Ich bin ziemlich baff, welche Gründe die taz-RedakteurInnen und die taz-Community sozusagen mental erbrechen, um den Angehörigen der Opfer und den Pariser Bürgern ihr Mitgefühl auszudrücken. Hier noch ein weiterer flacher Grund von der gleichen Spiritualität, um Mitgefühl und Solidarität aus Berlin mitzuteilen: Nr.101: Ich werde weiter meine Bouillabaisse essen, auch wenn da ein paar ertrunkene Flüchtlinge drin sind. Außerdem sterben ja auch mehr Menschen an den Autoabgasen. Vive la France.
DIETMAR ROHM, Falkensee
Schön zu lesen
betr.: 100 Gründe, cool zu bleiben“, taz vom 20. 11. 15
Liebe taz,
das war schön, über die 100 Gründe, Leben zu mögen, zu lesen. Und beim Frühstück taz, Süddeutsche Zeitung und Abendzeitung zu haben.
CLAUDIA RIEG-APPLESON, München
Ich möchte mal stören
betr.: „Holt den Oldtimer raus aus der Stadt“, taz vom 20. 11. 15
Das liebe ich so an Polemiken: Man braucht nur eine Zahl zu nennen und schon kann man „lossödern“. Die restlichen Zahlen und Fakten, die das Ganze vielleicht relativieren, würden ja nur stören. Ich möchte jetzt mal stören:
Zum 1. 1. 15 waren 310.694 Pkw mit H-Kennzeichen gemeldet, wenn man noch Nutzfahrzeuge, Zugmaschinen und Motorräder dazuzählt, sind es rund 350.000 Fahrzeuge (Quellen Kraftfahrt-Bundesamt, VDA). Ironischerweise führt die Rangliste der Oldtimer weit vorne der VW-Käfer an: 30.676. Die stinken wenigstens ehrlich.
Jetzt kommt jedoch, was der Autor lieber weglässt: Ebenfalls zum 1. 1. 15 waren in Deutschland ca. 44 Millionen Pkw, 4 Millionen Motorräder und 3 Millionen Lkw zugelassen. Dazu kommt: Pkw-Fahrer in Deutschland haben 2013 durchschnittlich pro Jahr 14.259 Kilometer zurückgelegt. Lkw bis 3,5 Tonnen kommen auf jährlich 19.008 km, Lkw über 6 T. auf 41.063 Kilometer und Sattelzugmaschinen auf 102.832 Kilometer Strecke. (Quellen Kraftfahrt-Bundesamt, Auto-Motor-Sport, Juli 2015).
Die jährliche Kilometerleistung bei Oldtimern liegt bei ca. 2 bis 3.000 Kilometer! So isses. Vom Thema Nachhaltigkeit bzgl. längerer Lebensdauer will ich gar nicht erst anfangen.
Tja, Herr Müllender, vielleicht sollten Sie die Holländer dazu animieren, die neueren-VW Modelle zu klauen und zu zerlegen, das wäre ökologisch sinnvoller.
LUTZ ARNOLD, Bad Mergentheim
Vegan Oldtimer fahren
betr.: „Holt den Oldtimer raus aus der Stadt“, taz vom 20. 11. 15
Ja, das Oldtimer-Hobby ist etwas unvernünftig, aber ich stehe dazu und in Relation zu anderen Emissionsquellen ist der Anteil der Oldtimer zu vernachlässigen. Wenn Herrn Müllender die Ökologie und der CO2-Ausstoß allerdings so sehr wichtig sind, wie wäre es dann, sich mal mit veganer Ernährung auseinanderzusetzen? Denn eine auf rein pflanzlichen (Bio-)Lebensmitteln basierende Ernährung ist erheblich CO2-ärmer als eine mit Fleisch. Aber, das interessiert sicher nicht, denn ich unterstelle Herrn Müllender wie der taz insgesamt eine erhebliche konservative Tendenz, was die Verteidigung des Fleischkonsums und des Mythos einer „artgerechten“ Tierhaltung betrifft.
JOACHIM HILLER, Solingen
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