Kultur: Staatsoper ohne Kopf

Die Staatsoper Unter den Linden steht ohne Führung da: Intendant Mussbach ist freigestellt - ab sofort und unwiderruflich. Opposition kritisiert dafür den Senat.

Intendant Peter Mussbach verlässt vorzeitig die Deutsche Staatsoper Unter den Linden. Er sei von sämtlichen Pflichten aus seinem Vertrag mit der Stiftung entbunden und ab sofort "unwiderruflich freigestellt", teilte die Senatskulturverwaltung mit. Damit steht das Haus führungslos da. Operndirektor Ronald Adler übernimmt die künstlerischen Aufgaben des Intendanten.

Unklar bleibt, wie es nun für die Staatsoper in Sachen Intendanz weitergehen soll - zwei Jahre vor der Sanierung und dem Umzug ins Schiller Theater: Wird für den freien Posten jemand gesucht, der die Aufgabe fest übernimmt? Oder entscheidet man sich für eine Interimslösung? "Über Vertragslaufzeiten und dergleichen sprechen wir erst, wenn wir die neue Person präsentieren", sagte Thorsten Wöhlert, Sprecher der Kulturverwaltung, der taz.

Eigentlich sollte Mussbach erst 2010 von seinem Posten zurücktreten. Kürzlich hatten leitende Mitarbeiter der Staatsoper seinen Rücktritt gefordert. Ferner herrschte Uneinigkeit zwischen Mussbach und Generalmusikdirektor Daniel Barenboim über den Wirtschaftsplan der Oper, der immer noch nicht verabschiedet ist.

Die Grünen im Abgeordnetenhaus interpretieren den vorzeitigen Abgang Mussbachs als Sieg für Barenboim. "Doch Daniel Barenboim ist kein Intendant und kann diese Funktion auch nicht ausfüllen", kritisierte Alice Ströver, die kulturpolitische Sprecherin der Grünen. "Er ist viel zu selten in Berlin und kann sich nicht um die Vorbereitung der Sanierung und den Umzug ins Schiller Theater kümmern", befürchtet Ströver.

Sie verortet das eigentliche Problem im Senat selbst. Es habe "keine erfolgreiche Konfliktsteuerung im Streit über die Vergabe der Mittel und vor allem keine Vorsorge für die Nachbesetzung der Stellen des Intendanten und des geschäftsführenden Direktors" gegeben, sagte Ströver. Was im Senat fehle, sei ein für Kultur zuständiger Senator.

Auch der Vizevorsitzende der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Michael Braun, sieht ein Unvermögen des Senats, den Konflikt um Mussbach zu steuern. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) stehe "vor dem Scherbenhaufen, den er selbst maßgeblich mitverursacht hat", sagte der CDU-Politiker. Wowereit hätte als Stiftungsratsvorsitzender viel schneller reagieren müssen, um "im Konflikt über die zukünftige Ausrichtung und das künstlerische Profil des Hauses einen Ausgleich herbeizuführen", findet Braun. JOANNA ITZEK

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de