Kritiker der Hamburger Bewerbung für die Olympia formieren sich neu.

Auftritt der Olympia-Opposition

Kritik an Ausverkauf öffentlicher Interessen durch das Olympische Komitee formuliert.

Die Gegner sind nicht überzeugt: Olympia soll draußen bleiben. Foto: dpa

HAMBURG taz | Hamburgs Olympia-Gegner sind am Mittwoch neu formiert an die Öffentlichkeit getreten. Bei einer Pressekonferenz zeichneten sie das Bild eines Ausverkaufs städtischer Interessen: ein Bild von Knebelverträgen mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), von Stadtentwicklung zu Lasten Ärmerer, von Bauten, die keiner braucht, wachsenden Schulden und eingeschränkten Bürgerrechten.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte im März entschieden, Hamburg als deutsche Bewerberin ins Rennen um die Olympischen Sommerspiele 2024 zu schicken. Anders als in Berlin gab es bis dahin kaum eine kritische Bewegung. In Umfragen befürworteten mehr als 60 Prozent der Hamburger die Spiele - das könnte sich ändern.

„Olympische Spiele in Hamburg? - Wir haben etwas besseres vor“, so lautet der Leitspruch der „offenen Plattform“, auf der sich die Bewegung seit Mitte April organisiert. Dirk Seifert, Blogger und Olympia-Kritiker der ersten Stunde, überlässt ihr die Internetadresse nolympia-hamburg.de und macht selbst unter fairspielen.de weiter. 100 bis 150 Menschen seien bisher zu den Treffen von Nolympia Hamburg gekommen, sagte Florian Kasiske, einer der Mitstreiter.

Der Kampf um die Spiele dürfte die Hamburger Öffentlichkeit in den kommenden Monaten intensiv beschäftigen: Am 29. November wollen Senat und Bürgerschaft das Volk zu den Spielen befragen. Um das möglich zu machen, will die Bürgerschaft die Verfassung ändern. Der Verein „Mehr Demokratie“ wirft der Politik vor, damit die direkte Demokratie aushebeln zu wollen und hat zwei Volksinitiativen dagegen angekündigt.

Nolympia unterstützt Mehr Demokratie darin: Das Referendum komme zu einem Zeitpunkt, zu dem noch nicht alle Fakten auf dem Tisch lägen. Das Ergebnis der Abstimmung bliebe aber für mindestens drei Jahre verbindlich. Damit wolle sich der Senat einen Blankoscheck für die Bewerbung holen, kritisieren die Gegner. Eigens für die Spiele wolle die Bürgerschaft eine Reform übers Knie brechen. „Die geplante Verfassungsänderung ist Ausdruck eines Ausnahmezustandes“, sagte Michael Rothschuh von Nolympia.

Aus Sicht der Olympia-Gegner ist sie typisch für das, was Städten blüht, wenn sie sich mit dem IOC einlassen. Kasiske verwies auf einen Passus aus dem „Host City“-Vertrag, den das IOC für Winterspiele in München schließen wollte. Darin sollte die Stadt bestätigen, dass „keine größere öffentliche oder private Veranstaltung, die sich auf die Austragung der Spiele bzw. deren Beachtung in der Öffentlichkeit auswirken könnte, in der Stadt während der Spiele ohne Genehmigung durch das IOC stattfinden wird“.

Kasiske warnte, der avisierte Bau von 6.000 Wohnungen werde den Wohnungsmangel nicht wesentlich lindern, die Mieten aber würden durch die Spiele steigen. Die Pläne würden sich negativ auf benachbarte Stadtteile auswirken, auch weil im großen Stil Hafenbetriebe verlegt werden müssten.

Der Chef des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg, Gunther Bonz, hat dafür schon mal eine Kostenschätzung in den Raum gestellt: fünf bis sieben Milliarden Euro. Die teilweise städtische Umschlagfirma HHLA hat der Senat schon von allen Umzugskosten freigestellt.

Um die Bevölkerung für sich zu gewinnen, wollen die Nolympioniken Vereine, Verbände und Initiativen ansprechen und in die Stadtteile gehen. Am 30. Mai ist eine Demonstration im Stadtteil Wilhelmsburg geplant. „Ganz viele Leute freuen sich“, so Kasiske, „dass endlich einer mal was macht.“

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