Krisenfonds eingerichtet: Asien emanzipiert sich vom IWF

13 Staaten wollen einen Krisenfonds mit mindestens 80 Milliarden US-Dollar auflegen. Damit reagieren sie auf die schlechten Erfahrungen mit dem IWF währen der Asienkrise.

Beim nächsten Kurssturz wollen die asiatischen Länder weniger abhängig vom IWF sein. Bild: dpa

Die Idee eines asiatischen Währungsfonds nimmt konkrete Formen an. Am Wochenende einigten sich die Finanzminister 13 asiatischer Staaten, einen Krisenfonds mit mindestens 80 Milliarden US-Dollar auszustatten. Damit wollen sich die Länder künftig gegen regionale Finanzkrisen schützen, erklärten die Finanzminister am Rande eines Treffens der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB). Der größte Teil, rund 80 Prozent, soll von China, Japan und Südkorea bereitgestellt werden, die übrigen 20 Prozent kommen von den zehn Mitgliedstaaten der Organisation Südostasiatischer Nationen (Asean), darunter Thailand, Vietnam und Indonesien.

Die Idee eines solchen Liquiditätsfonds geht zurück auf die Unzufriedenheit der Länder mit dem Krisenmanagement des IWF während der Asienkrise 1998. Damals hatten massive Spekulationen gegen die indonesische Rupiah und den thailändischen Baht zu einem abrupten Absturz asiatischer Währungen geführt. Der IWF stellte insgesamt 110 Milliarden bereit, geknüpft an die gängigen IWF-Konditionen: strikte Sparmaßnahmen, Verkauf von Staatskonzernen, Zinsanhebung. In der Folge wurden etwa in Indonesien Ausgaben für Bildung und Subventionen für Grundnahrungsmittel gekappt, was zu sozialen Unruhen führte.

Bereits 2000 hatten die Länder die Chiang-Mai-Initiative ins Leben gerufen. Das nach dem Tagungsort in Thailand benannte Abkommen beinhaltet, dass sich die Länder bei Spekulationen gegen ihre Währung sogenannte bilaterale Swaps zugestehen, also jederzeit die Möglichkeit haben, Devisen gegen die eigene Landeswährung umzutauschen, um liquide zu bleiben. Für einen möglichen Rettungsfonds war damals die Summe von 40 Milliarden US-Dollar im Gespräch.

Als "Abkopplung vom IWF auf Raten", bezeichnet Hanns Günther Hilpert, Asienexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik, den Schritt. Die vom IWF eingeforderten Strukturreformen seien die falsche Antwort gewesen. Hilpert: "Man kann Liquiditätsengpässe nicht mit makroökonomischen Stabilitätsmaßnahmen bekämpfen." Der asiatische Unmut sei groß gewesen. Mit den 80 Milliarden US-Dollar sei nun "eine große Summe" vereinbart worden. Als Ersatz für den IWF will er den asiatischen Krisenfonds allerdings nicht bezeichnen. "Eher ein zusätzliches Regime", sagt Hilpert.

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