: Krimis: "Kata" von Andrews Vachss
Der beste lebende Thriller-Autor heißt Andrews H. Vachss! Er ist 44 Jahre alt, in New York geboren und aufgewachsen und hatte mit Krimis eigentlich nichts am Hut. Hauptberuflich ist er Anwalt für mißbrauchte und mißhandelte Kinder. Nachdem er Sachbücher über Jugendstrafrecht und -vollzug geschrieben hatte und ziemlich enttäuscht war, wie wenig er damit ausrichten konnte, verfiel er auf die geniale Idee, über die an Kindern begangenen Verbrechen einen Thriller zu schreiben, um ein breiteres Publikum auf das Problem aufmerksam zu machen. Ergebnis ist ein schonungsloser Roman über Kinderpornographie. Schauplatz ist New York, genauer, die dreckigen Straßen rund um Times Square und Forty-second Street, dem Rotlichtbezirk des Big Apple. Eine surreale Welt, wo für Geld nahezu alles käuflich ist, „was ein menschliches Hirn nur auswürgen kann“. Der Thriller heißt KATA (der Begriff stammt aus dem Japanischen und umschreibt eine rituelle Karate-Übung) und erzählt in einer kraftvollen, manchmal brutalen Sprache die Geschichte des Privatdetektivs Burke. Burke, ehemaliger Dressman und Söldner, ist ein zynischer Paranoiker, der seinen Lebensunterhalt durch Pferdewetten und Betrügereien bestreitet. Sein einziger Freund ist Pansy, ein neapolitanischer Kampfhund, „140 Pfund geballten Hasses“. Eines Tages taucht Flood, eine pummelige Blondine, bei Burke auf und heuert den Detektiv für einen Rachejob an. Sie will Vergeltung üben an dem Mann, der das Kind ihrer Freundin getötet hat. Flood hat in einem japanischen Kloster Kampfsport studiert, sie ist eine lebende Waffe. Aber sie braucht Burke, um sich im Großstadtdschungel zurecht zu finden. Natürlich verlieben sich die beiden ineinander. Romeo und Julia in der Mülltonne New York. Vachss ist für mich schon heute der Krimi-Autor der 90er Jahre. Chandler hätte so geschrieben, würde er heute und in New York leben. An Vachss‘ KATA werden sich alle kommenden Thriller messen lassen müssen. Den Vorwurf, der Übertreibung quittiert der Autor mit einem Achselzucken: „Leute die mein Buch lesen, sagen: 'Wie kannst du nur so ein Zeug erfinden?‘ Ich wünschte nur, ich hätte es erfunden. Aber meine Schwierigkeit liegt darin, die Wirklichkeit so abzumildern, daß die Leute sie glauben“. (Ullstein Verlag).
Karl Wegmann
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