Kostenpflichtiges Studium: Studis legen Wert aufs Private

Die Zahl der privaten Unis in Berlin steigt stetig. Sie locken mit guten Bibliotheken, maßgeschneiderten Studiengängen und persönlicher Betreuung.

Berlin ist auch die Hauptstadt der Privatunis. In keiner anderen Stadt Deutschlands gibt es so viele staatlich anerkannte private Hochschulen. Zehn Fachhochschulen (FH) und vier wissenschaftliche Hochschulen mit Universitätsstatus zählt die zuständige Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung Ende 2007 - vor einem Jahr war es gerade mal die Hälfte. Das Spektrum der Bildungseinrichtungen, die mit den staatlichen Hochschulen konkurrieren, reicht von Gesundheitsmanagement bis angewandte Kunst. Und es werden stetig mehr: Fünf Anträge auf Zulassung und zahlreiche Anfragen liegen momentan auf dem Tisch des Bildungssenators Jürgen Zöllner (SPD).

Die Privaten sind eine ernstzunehmende Konkurrenz für die staatlichen Unis und Fachhochschulen. Denn sie können ihren Studierenden Annehmlichkeiten bieten, an denen es den staatlichen Massenbetrieben häufig fehlt: kleine Gruppen mit intensiver Betreuung und maßgeschneiderte Studiengänge mit hoher Abschlussquote. Letztere beträgt an den staatlichen Hochschulen desaströse 55 Prozent. Warum sich über schlecht ausgestattete Bibliotheken, gestresstes Lehrpersonal und Organisationschaos ärgern, so der Gedanke wohl nicht weniger Studierenden, wenn Bachelor und Master in kürzerer Zeit und zu besseren Konditionen zu haben sind?

Dafür sind Studierwillige bereit, tief in die Tasche zu greifen. Zwischen 360 Euro pro Semester und 50.000 Euro im Jahr kann das Privatstudium kosten. Bei der Finanzierung helfen die Unis mit Stipendien und Krediten, berufsbegleitende Studiengänge bezahlt häufig der Arbeitgeber zumindest teilweise. So hat von den Studierenden der Anfang 2006 eröffneten European School of Management and Technology (ESMT) bisher nicht einer die horrenden Gebühren von 50.000 Euro gezahlt - das Geld geben die Firmen der Studierenden für die Weiterbildung ihres Nachwuchses aus. Noch immer haftet den Privatunis der Ruf an, Kaderschmieden für Kinder reicher Eltern zu sein, die es in gesellschaftliche Schlüsselpositionen drängt. Doch bei genauerem Hinsehen hat sich das Bild geändert: Die Privatunis erobern abseits der Business- und Managementsparte andere Bereiche wie Design oder Philologie.

Praktikum vor dem Start

Eine der neuen Unis, die dieses Wintersemester den Lehrbetrieb aufnahmen, ist die Hochschule für Gesundheit und Sport in Hohenschönhausen. Sie wirbt mit dem Motto "Wissen ist nicht Macht. Erst Können macht den Unterschied". 30 Erstsemester begannen dort das Bachelor- oder MBA-Studium in Angewandten Pflegewissenschaften, Leistungssport oder Sportpsychologie. Das Studium ist eine Mischung aus Fern- und Präsenzstudium, vorher muss ein sechswöchiges Praktikum absolviert werden. Für einen dreijährigen Bachelor werden monatliche Gebühren von 390 Euro fällig, dazu fallen Einschreibungs- und Prüfungsgebühren an.

Auch die IB-Hochschule Berlin, eine Gründung des freien Bildungsträgers Internationaler Bund, ist neu im Programm. Seit Oktober kann man dort Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie und Kreativtherapie studieren und den Abschluss Bachelor of Science erwerben. Der Studiengang, der auch ausbildungs- und berufsbegleitend möglich ist, kostet 360 Euro im Monat. Ein passender Masterstudiengang soll ab Ende 2008 angeboten werden. Stufenweise soll das Angebot der Hochschule bis 2013 um die Fachbereiche Kommunikation und Management erweitert werden.

Auch im Tourismus- und Designbereich scheint der Bedarf nach schneller und praxisorientierter Ausbildung zu wachsen: Mit der Design-Akademie Berlin, der Mediadesign-Hochschule für Design und Informatik und der Berliner Technischen Kunsthochschule machen drei neue Privatunis den Kunsthochschulen Konkurrenz. An der Best-Sabel-Hochschule kann man Tourismus- und Eventmanagement plus Sprachpraxis studieren, die Tourismus-Akademie in der Rungestraße bietet neben einer Fachschulausbildung jetzt auch den passenden Studiengang an.

Selbst das Elitesegment baut kräftig auf: An der European School of Management startete im Oktober ein berufsbegleitendes MBA-Teilzeitstudium, dafür stellte die Uni gleich neun neue Professoren ein.

Einzig in den Geisteswissenschaften stehen die Staatlichen nach wie vor unangefochten da: Das amerikanische European College of Liberal Arts hat für seine Sommeruniversität bisher nur eine amerikanische Zulassung, die Zeppelin University, die neben Managementfächern auch Soziologie und Kulturtheorie anbietet, ist bislang nur in Baden-Württemberg anerkannt. Auch der für dieses Jahr angekündigte Start der Deutschen Universität für Weiterbildung DUW verzögert sich. Die Gründung des Gemeinschaftsprojekts von HU und Klett-Verlag sei "mit einer Reihe schwieriger rechtlicher Fragen verbunden, die nur unter Erstellung aufwändiger Gutachten und einer gründlichen Prüfung zu klären sind", heißt es aus der Senatsverwaltung.

Bürokratie vor dem Start

Der Weg vom ersten Vorsprechen beim Amt bis zum befristeten Anerkennungsbescheid kann Jahre dauern und folgt einem Kriterienkatalog, der seit 2006 in Berlin und Brandenburg gleichermaßen gilt. Darin muss der Antragsteller nachweisen, dass Lehre, Forschung, Studium und Weiterbildung an der privaten Hochschule mit derjenigen an staatlichen Hochschulen vergleichbar sind. Für eine unbefristete staatliche Anerkennung ist eine Empfehlung des Wissenschaftsrats nötig, erst dann ist die staatliche Anerkennung erreicht.

In Berlin müssen die Privatunis insgesamt 4.200 Euro Gebühr für das Verfahren zahlen. Weitere Gebühren entstehen für die Verlängerung der Befristung, die Erweiterung der Anerkennung um einen weiteren Studiengang oder eine Zweigstelle sowie die Verleihung des Promotionsrechts. Damit hat das Land zumindest einen kleinen Anteil am Aufschwung im privaten Hochschulgewerbe.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de