Kongress Demographiewandel und Integration: Nur das Publikum war vielfältig

Auf ihrem Jahreskongress diskutieren die Teilnehmer des Forums Demographischer Wandel über Integration. Migranten klagen, dass die Integrationsforderungen ins Unendliche gehen.

Dormagen am Rhein: So was wie die Musterstadt in Zeiten des "Geburtennotstands"? Bild: dpa

BERLIN taz Dormagen ist das Musterbeispiel. Wer in der 63.000-Einwohner-Stadt ein Kind zur Welt bringt, dem ist nicht nur ein Kindergartenplatz garantiert, sobald das Kind vier Monate alt ist. In einem Familiennetzwerk bieten frühkindliche Betreuer, Hebammen und Familienhelfer rund um den Nachwuchs ein Bildungs- und Betreuungsprogramm von Babyclub bis Sprachförderung. "Dormagen für Deutschland", bilanzierte daher die Moderatorin Dunja Hayali auf der diesjährigen Konferenz des Forums Demographischer Wandel am vergangenen Freitag. Ganz so einfach, war es dann aber doch nicht.

Die Initiatoren, Bundespräsident Horst Köhler und die Bertelsmann-Stiftung, hatten zu dem Kongress geladen. Das Thema war nicht direkt Demographie, sondern viel mehr Integration. Und um erst gar keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, hatte man als Moderatorin die Journalistin Dunja Hayali engagiert, deren Eltern aus dem Irak kommen. Hinter Hayali ragt auf dem Podium die bedrohliche Silhouette der Bevölkerungsentwicklung links in die Höhe und rechts in die Tiefe. Die Botschaft ist klar: Deutschland braucht Migranten und wenn sie die Qualifikation nicht sowieso schon mitbringen, dann sollen sie sie bitte hier erhalten.

Köhler appelliert an Wirtschaft, Gesellschaft und jeden Einzelnen, die Integration zu fördern, die Migrationsbeauftragte Maria Böhmer (CDU) will mehr Geld, nicht nur für Pilotprojekte und sämtliche Podiumsteilnehmer nicken. So einfach könnte Integration sein. Wären da nicht die zu Integrierenden. Und die sitzen nicht auf dem Podium, sondern höchstens unter den Teilnehmern des Kongresses. Ein koreanischer Teilnehmer kritisiert: "Gerade in der Politik, wo über Vielfalt am heftigsten diskutiert wird, ist sie am wenigsten vorhanden." Und dass die koreanischen Migranten beim vergangenen Integrationskongress von Böhmer nicht eingeladen worden seien, mit der Begründung, die Gemeinschaft wäre zu klein.

Ein anderer Teilnehmer türkischer Herkunft sieht ein anderes Problem: Integration habe kein Ende. "Man glaubt, man ist integriert und dann ist man auf einmal doch nicht integriert." Ein Dilemma, für das auch die anwesenden Politiker keine Antwort parat haben. Sie bieten am Ende nur zwei konkrete Lösungswege: bürgerschaftliches Engagement zu fördern und klare Regelungen für die Anerkennung von Schul- und Berufsabschlüssen aus anderen Ländern zu schaffen. Nicht unbedingt das, was Dormagen zur Musterstadt macht. Aber vielleicht sind Lösungen auch nicht das Ziel. Denn würde Integration funktionieren, müsste man sie nicht mehr diskutieren.

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