Kommentar: Der verzerrte Markt
Unternehmer schwärmen gern vom freien Wettbewerb. Doch die einst staatlichen Monopolisten müssen zum Wettbewerb erst gezwungen werden.
Wettbewerb. Kaum ein anderes Wort lassen sich die Wirtschaftskapitäne lieber auf der Zunge zergehen. Sie schwärmen vom freien Spiel der Kräfte am Markt, bei dem Angebot und Nachfrage sich wie im geschmeidigen Tanz aufeinander abstimmen. Und wenn sich Gewerkschaften, Verbraucherschützer oder gar die Politik dazu aufraffen, dem lustigen Treiben Grenzen zu setzen, dann stöhnen sie lauthals über Wettbewerbsverzerrungen.
Wenn jemand sich aber erdreistet, auf einem Teilmarkt mehr Wettbewerb, mehr Transparenz, mehr Konkurrenz zu fordern, dann passt es auch wieder nicht. Dann stöhnen sie - wie jetzt die Gasag - schon wieder über Wettbewerbsverzerrungen.
Dabei gibt es kaum verzerrtere Märkte, als die, auf denen sich ehemalige staatliche Versorger tummeln. Zwar wurden die Märkte für Telefon, Strom und Gas längst liberalisiert. Doch solange einstige Staatsmonopolisten weiterhin die Netze kontrollieren und damit die Preise der Kokurrenz mitbestimmen können, kann von einem freien Markt keine Rede sein.
Deshalb - und nur deshalb - müssen Verbraucher vor Gericht ziehen. Es ist ihre einzige Chance, um gegen überzogene Preisvorstellungen marktbeherrschender Anbieter vorzugehen. Doch selbst vor dem Kadi ist der Kunde mehr Bettler denn König. Jeder einzelne muss für seine paar Euro streiten. Ein Verbandsklage, bei der etwa die Verbraucherzentrale für alle Kunden eintreten könnte, ist nicht zugelassen.
Den Quasimonopolisten ist das nicht anzulasten. Sie nutzen nur die Spielwiesen, die ihnen der Staat überlassen hat. Der aber könnte Grenzen setzen. Mit einer Ausweitung des Klagerechts. Oder mit einer Trennung von Anbieter und Netzbetreiber. Am besten aber mit beidem.
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