Kommentar zum Uferstreit in Potsdam: Die Arschlöcher von Potsdam

Die Dreistigkeit der Eigentümer zeigt: Am Groß Glienicker See ist ein Machtkampf im Gang.

Mit Kraftausdrücken sollte man vorsichtig sein. Allzu schnell haben sie sich abgenutzt, und noch schneller - wenn ein Vorwurf haltlos ist - können sie sich gegen den Urheber richten. In Potsdam aber geht es nicht um Details, es geht um einen Kulturkampf zwischen der Öffentlichkeit und wild gewordenen Besitzern von Ufergrundstücken.

Nach dem Griebnitzsee haben nun also auch die Anwohner am Groß Glienicker See den Uferweg gesperrt. Auch ihre Grundstücke waren zu DDR-Zeiten Mauergrundstücke. Die Treuhand hat sie als Seegrundstücke verkauft. Die Stadt Potsdam hingegen will, als Vertreterin des Gemeinwohls, einen öffentlichen Uferweg.

Hier beginnt das Problem. Um die Interessen der Stadt durchzusetzen, braucht es einen Bebauungsplan. Es geht also um planerisches Handwerk, und allem Anschein nach hat die Potsdamer Verwaltung dieses Handwerk nicht hinreichend beherrscht. Gut möglich auch, dass sie dadurch die Grundstückseigentümer geradezu zur Sperrung des Wegs eingeladen hat. Alles nur dumm gelaufen also?

Von wegen. Die Dreistigkeit, mit der die Eigentümer agieren, zeigt: Hier ist ein Machtkampf im Gang. Setzen sich die Villen- und Gartenbesitzer durch, dürften bald die nächsten Wege gesperrt sein. Höchste Zeit also, die öffentlichen Interessen nicht mehr nur der Kommune zu überantworten und auf die Straße zu gehen.

Vor mehr als 20 Jahren fiel die Mauer - auch zwischen Westberlin und Potsdam. Was, bitte, sollen diejenigen, die jetzt die Mauer wieder aufbauen, anderes sein als … Sorry für den Kraftausdruck.

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Jahrgang 1963, ist Redakteur für Stadtentwicklung der taz. Ein weiterer Schwerpunkt ist Osteuropa. Zuletzt erschien bei Siedler sein Buch "Die Elbe. Europas Geschichte im Fluss". Er koordiniert auch das Onlinedossier "Geschichte im Fluss" der Bundeszentrale für politische Bildung. Uwe Rada lebt in Berlin-Pankow.

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