Kommentar Spielerkäufe: Der Migrationsstopp der Fifa

Die Fifa verlangt, dass die Mehrheit der Spieler eines Teams einen heimischen Pass haben soll, um die Identifikation der Fans zu steigern. Das kann einen Rückschritt bedeuten.

Legionäre werden sie genannt, auch Söldner: jene Fußballspieler, die fern der Heimat Karriere machen, die durch die Welt tingeln auf der Jagd nicht nur nach sportlichem Erfolg, sondern auch dem optimal dotierten Vertrag. In den Ligen, die gut zahlen können, in Deutschland oder in England etwa, kommt es durchaus vor, dass Teams auflaufen, in denen kein einheimischer Profi spielt. Das soll sich ändern. Der Fußballweltverband Fifa hat mit der überwältigenden Mehrheit seiner Mitglieder beschlossen, dass schon bald in jedem Ligaspiel sechs Profis spielen sollen, die nicht als Fußballwanderarbeiter angeheuert haben. Die Identifikation der Fans mit ihren Klubs soll so steigen. Junge Profis aus dem Umfeld der Klubs sollen bessere Chancen erhalten, in ein teures Profiteam aufgenommen zu werden. Der Weltfußball setzt auf das nationale Element. Ein merkwürdiges Signal.

Der Fußball hat sich in den führenden europäischen Vereinen auch deshalb zum taktisch so ausgefeilten Hochgeschwindigkeitsspiel entwickelt, weil Spieler und Trainer aus aller Welt ihre Erfahrungen und unterschiedlichen Ausbildungen in das Spiel einfließen lassen. Die Fans freuen sich am schönen, schnellen Kick. Wie viele einheimische Spieler zum Erfolg beitragen, ist längst zweitrangig für die Anhänger. Die Siege von Energie Cottbus wirken in der Region identitätsstiftend. Dass der Ostclub als erster Verein in Deutschland elf Nichtdeutsche aufs Feld geschickt hat, hat daran nichts geändert. In einer Gegend, in der es genug Probleme mit Rassismus und Rechtsextremismus gibt, kann ein erfolgreicher, von den Fans geliebter Klub von Wanderarbeitern eine wahre Toleranzmaschine sein.

Auch für kleinere Fußballnationen kann die 6+5-Regel der Fifa einen Rückschritt bedeuten. Dänemark konnte auch deshalb die Deutschen im EM-Finale von 1992 besiegen, weil die Spieler in den großen Ligen ihre fußballerischen Fähigkeiten ausbauen konnten. Wer sich auch weiter über Außenseitersiege bei großen Turnieren freuen will, der kann nicht für den Migrationsstopp der Fifa sein.

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1968 geboren und dann lange Münchner. Studiert hat er Slawistik und wäre um ein Haar Lehrer geworden. Zehn Jahre lang war er Kabarettist (mit Helmut Schleich und Christian Springer). Dann ist er Sportreporter geworden. Von April 2014 bis September 2015 war er Chefredakteur der taz. Jetzt treibt er wieder Sport.

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