Kommentar Schriftreform: Das Ziel ist wichtig
Das Ziel ist wichtig, nicht die Tradition. Auch lateinische Schreibschrift gibt es in der Schule erst seit dem Nationalsozialismus.
H ut ab vor diesem harmoniebedürftigen Senator. In der Frage der Grundschrift scheint er sich nicht dem Mainstream zu beugen. Dabei kann man die Leidenschaft dieser Debatte gut verstehen. Jeder hat mal schreiben gelernt und aus eigenen Anschauungen eine Meinung dazu.
Das heißt, nicht wirklich jeder. Es gibt viele, die nach der Schule kaum lesen können und auch die Nutzung der Schrift möglichst vermeiden. Und es gibt die Lehrer, die sich täglich darum mühen, diesen Lernprozess zu verbessern.
Hier wird den Schulen nun eine weitere Möglichkeit an die Hand gegeben. Wichtig ist, dass Kinder lernen mit Hilfe von Schrift zu kommunizieren. Und das tun Schüler dank Internet und Facebook sogar intensiver als je zuvor.
Das Ziel ist wichtig, nicht die Tradition. Auch lateinische Schreibschrift gibt es in der Schule erst seit dem Nationalsozialismus. Und komplizierte Schnörkel an Buchstaben haben sich erst nach Einführung der Buchdruckkunst vermehrt, weil die Schreiber nicht überflüssig werden wollten.
Nicht zu vernachlässigen ist der sinnliche Umgang mit Stift und Papier. Aber das ist kein Widerspruch zur neuen Schrift. Sie soll ja gerade verhindern, dass Kinder den Mut und die Lust verlieren - durch komplizierte Schriftübungen, die sie später ohnehin nie wieder brauchen.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 210 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert