Kommentar Rieger-Schlaganfall: Schwerer Schlag für die NPD

Noch ist nicht sicher, ob der Neonazi Jürgen Rieger überleben wird. Doch so oder so muss die NPD einen herben Verlust hinnehmen, denn Rieger war ein wichtiger Finanzier.

Noch ist zwar nicht sicher, ob der Neonazi Jürgen Rieger überleben wird. Doch selbst wenn: Der Schlaganfall dürfte dem Holocaust-Leugner dermaßen zugesetzt haben, dass er nicht mehr zurechnungsfähig ist und damit zum Pflegefall wird. Politisch ist er für die Rechtsextremisten so oder so tot.

Mit Jürgen Rieger geht der NPD nicht nur ein führendes Mitglied verloren, das zudem so ziemlich sämtliche neonazistischen Vereinigungen und Organisationen der vergangenen drei Jahrzehnte finanziell unterstützt hat. Der Hamburger Rechtsanwalt galt als einer der beliebtesten Mittler zwischen den zum Teil heftigst zerstrittenen rechtsextremen Strömungen. Rieger hielt bis zuletzt gute Kontakte sowohl ins rechtskonservative Lager als auch bis tief in die militante gewaltbereite Kameradschaftsszene. Und zwar immer in seiner Rolle als potenter Finanzier.

Wenn Rechtsextremisten in den vergangenen Jahren, abgesehen von Aufmärschen und Übergriffen auf Linke oder Ausländer, überhaupt in irgendeiner Weise politisch auf sich aufmerksam gemacht haben, dann durch die zum Teil gelungenen Versuche, in norddeutschen Kleinstädten und in Südschweden für viel Geld Immobilien zu erwerben, die den Neonazis als Tagungs- und Versammlungszentren dienen. Hinter der Finanzierung stand immer Jürgen Rieger.

Dass es bei der NPD offensichtlich möglich ist, es allein durch Geldvermögen bis in die obersten Führungsgremien zu schaffen, zeigt, in welch jämmerlichem Zustand die rechtsextreme Partei sich befindet. Ideologisch und rhetorisch galt Rieger auch aus rechtsextremer Sicht nicht gerade als brillant, und auch programmatisch hat er nur wenig beigetragen.

Für die NPD ist Rieger dennoch ein herber Verlust - eben als Finanzier.

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war von 2012 bis 2019 China-Korrespondent der taz in Peking. Nun ist er in der taz-Zentrale für Weltwirtschaft zuständig. 2011 ist sein erstes Buch erschienen: „Der Gewinner der Krise – was der Westen von China lernen kann“, 2014 sein zweites: "Macht und Moderne. Chinas großer Reformer Deng Xiao-ping. Eine Biographie" - beide erschienen im Rotbuch Verlag.

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