Kommentar Neue Schlagstöcke für Hamburger Polizei: Schneller schlagen als denken

Irgendeinen Grund finden politisch Verantwortliche immer, um stolz auf sich zu sein. Seit gestern sind es die neuen stählernen Teleskop-Schlagstöcke der Hamburger Polizei.

Wenn keine spektakulären Gebäude einzuweihen sind, müssen eben Waffen her: Irgendeinen Grund finden politisch Verantwortliche immer, um stolz auf sich zu sein. Seit gestern sind es die neuen stählernen Teleskop-Schlagstöcke der Hamburger Polizei. Unkaputtbar sind sie, weit robuster als die bislang üblichen Gummiknüppel; der Attackierte hat schlechte Chancen.

Die Werbung für den neuen Schlagstock klingt dann auch wie im Krieg: Angriffs- sprich: kampfunfähig soll der "Angreifer" gemacht werden, ein Schlag auf den Oberarm genügt. Anders als beim Gummiknüppel muss der Polizist, der sich angegriffen fühlt, also nicht einmal mehr - wie es der faire Kampf geböte - mehrmals zuschlagen. Quasi mühelos kann er den Gegner erledigen.

Abgesehen davon, dass das klingt, als sei die - für ihre Brutalität bekannte - Hamburger Polizei ein Haufen hilfloser Jünglinge, stellt sich die Frage nach der Reife des Nutzers, sprich: des ganz konkreten Polizisten. Denn dieser Stock funktioniert schnell - schneller vielleicht, als das menschliche Hirn eine Situation erfassen kann. Und da die automatisch ausfahrbare Stahlstange so effektiv ist, sind Knochen sekundenschnell gebrochen. Irrtümer werden also "teurer". Dass zudem die Versuchung, blitzschnell "aus Versehen" Gewalt auszuüben, wächst, ist evident. Keine rosigen Aussichten.

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Seit 2000 Redakteurin der taz am Standort Hamburg. Schwerpunkte: Kultur und -politik, Drittes Reich, Judentum, Religion allgemein.

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