Kommentar Neonazi-Aufmarsch : Geschlossen auftreten
Rechtlich ist dem NPD-Aufmarsch in Neumünster wohl nicht beizukommen. Es hilft daher nur eines: Die Neonazis müssen politisch auf der Straße bekämpft werden.
U m es vorweg zu sagen: Beide Seiten haben recht. Da gibt es in Neumünster das Bündnis „Toleranz und Demokratie“, das vom Oberbürgermeister Olaf Tauras verlangt, den Neonazi-Aufmarsch zu verbieten. Politisch gesehen eine richtige Aufforderung, würde er doch mit einem Verbot ein Signal setzen, dass der braune Mob in der Stadt unerwünscht ist.
Und das Bündnis zieht durchaus zu Recht ins Kalkül, dass bei einem Rechtsstreit, wenn dann die Gefahrenprognosen von Verfassungsschutz und Polizei erörtert werden, der rechte Aufmarsch mit Auflagen versehen oder die Route in die Peripherie verlegt werden könnte.
Aber auch Neumünsters Oberbürgermeister hat Recht, wenn er den Rechtsstreit scheut, um ihn nicht zu verlieren. Denn auch in Lübeck war klar – als Innenminister Klaus Schlie (CDU) Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) zum Verbot nötigte – das spätestens das Bundesverfassungsgericht ein totales Verbot aufgehoben hätte. Für die Verfassungshüter ist das Demonstrationsrecht ein hohes Gut.
In Neumünster kommt noch eines hinzu: Die NPD hat ihren Aufmarsch als zentrale Wahlkampfveranstaltung für die Landtagswahlen deklariert, wo zusätzlich Artikel 21 Grundgesetz greift, der Parteien schützt. Es hilft daher nur eines: Die Neonazis müssen politisch auf der Straße bekämpft werden, so dass sie genervt umkehren und wieder nach Hause fahren.
Umverteilung gegen rechts
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert