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Kommentar Mindestlohn Moderne Großstadtpartei

Gernot Knödler

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Gernot Knödler

Die Menschen verstehen, dass es wieder wichtiger wird, für einen sozialen Ausgleich zu sorgen. In diese Stimmung passt der Mindestlohn. Das hat die Hamburger CDU richtig erkannt.

M it dem Beschluss, sich für einen allgemeinen Mindestlohn einzusetzen, fährt die Hamburger CDU weiter den Kurs "Großstadtpartei". Sie wird damit der Tradition Hamburgs als Arbeiterstadt gerecht und sie reagiert auf einen Wandel im bürgerlich-konservativen Milieu.

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat die Meinungslandschaft stark verändert. Längst gruselt es auch sogenannten Bürgerlichen vor der schwarzen Magie der Finanzjongleure. Deren Tun macht unsere Maßstäbe obsolet und entwertet das Einkommen aus ehrlicher Arbeit.

Das gilt zum einen relativ zu dem, was mit Klicks und Glück auf dem Finanzmarkt zu holen ist. Zum anderen gilt es absolut für jene, die entlassen oder ausgebeutet werden, um die Aktienkurse nach oben zu treiben.

Das Bewusstsein dafür, dass die Gesellschaft sich spaltet, wächst und verbreitet sich. Das gilt auch für das Gefühl, dass dabei alle einen Preis bezahlen müssen: Das Leben in einer auseinanderdriftenden Gesellschaft hat nichts zu tun mit der heilen Welt der Bundesrepublik Deutschland oder einer Stadt wie Hamburg, in der man sich zu jeder Tages- und Nachtzeit ungefährdet bewegen kann.

Die Menschen verstehen, dass es wieder wichtiger wird, für einen sozialen Ausgleich zu sorgen. In diese Stimmung passt der Mindestlohn. Das hat die Hamburger CDU richtig erkannt.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Gernot Knödler

Gernot Knödler Hamburg-Redakteur

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