Kommentar Kampf gegen Scientology : Vorsicht, Fernseh-Propaganda!
Wer Fakten weglässt, verspielt die Glaubwürdigkeit der Scientology-Aufklärung.
U rsula Caberta hat sich mit ihrer Arbeitsgruppe Scientology längst einen überregionalen Ruf erworben. Sie kämpft auf allen Ebenen leidenschaftlich gegen den Psycho-Konzern, manchmal zu leidenschaftlich.
Da kann es schon mal passieren, dass die Hamburger Sektenbeauftragte in einem simplen Sorgerechtsstreit Partei ergreift, und der Wille eines Heranwachsenden plötzlich weniger wichtig scheint als das große Ziel: den geschäftstüchtigen Seelen-Fängern das Handwerk zu legen.
Ärgerlich ist es, wenn Cabertas Sicht der Dinge ungefiltert in einem Doku-Drama des öffentlich-rechtlichen Fernsehens Niederschlag findet: Gerade wer die Manipulationstechniken von Scientology verurteilt, darf nicht zulassen, dass Urteile von Familiengerichten in so einer Geschichte unterschlagen werden. Wer das tut, verspielt die Glaubwürdigkeit der Scientology-Aufklärung.
Der Vorwurf der alerten PR-Leute von Scientology, es handele sich beim Film "Bis nichts mehr bleibt" um Kampagnen-Journalismus, geht ins Leere: Es handelt sich nicht um ein journalistisches Format. Aber ein bisschen Gegenrecherche kann man auch von Drehbuchautoren erwarten.
Der Zuschauer nimmt Doku-Dramen als Spiegel der Wirklichkeit wahr. Wenn sie nur eine Version der Geschichte zeigen, laufen sie Gefahr, zur Propaganda zu verkommen.
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