Kommentar Japans neuer Ministerpräsident : Beton für die Klientel
Taro Aso hat zwar die größte Hausmacht im alten LDP-System. Aber auch ihm wird es nicht gelingen, Japans Krise abzuwenden.
W enn die Liberaldemokratische Partei in einem Jahr zwei Vorsitzende verschleißt, ist die Krise des Landes offensichtlich. Seit Jahrzehnten dominiert die LDP Japans Politik, nun beschert sie der zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt in nur zwölf Monaten den dritten Ministerpräsidenten. Für den 68-jährigen Taro Aso spricht vor allem seine politische Erfahrung - und dass er mit überraschend deutlicher Mehrheit von den LDP-Granden gewählt wurde. Doch der scheinbar große Rückhalt verdeckt nur die tiefen Gräben in der Partei zwischen - wie auch immer gearteten - Reformern und Konservativen, zu denen Aso zählt.
Nichts spricht dafür, dass Aso Japan aus der Krise führen wird. Er ist im alten LDP-System nur derjenige, der die größte Hausmacht besitzt und beim Publikum noch halbwegs anzukommen vermag. Dass er beim Griff nach der Macht zuvor dreimal unterlegen war, zeigt, dass es auch in der LDP Zweifel an seinen Fähigkeiten gibt. Doch jetzt gilt er als der Einzige, der noch eine drohende Wahlniederlage abwenden könnte. Schon wird gar an vorgezogene Wahlen gedacht, um die mediale Aufmerksamkeit, die mit seiner Amtsübernahme verbunden ist, wahltaktisch nutzen zu können - und um in Zeiten weltwirtschaftlicher Turbulenzen die LDP als Bollwerk der Stabilität zu verkaufen.
Mit seiner erklärten Liebe zu Manga-Comics biedert sich Aso bei der Jugend an. Dabei verkörpert er wie kein anderer das traditionelle Klientelsystem der LDP wie auch den hanebüchenen Umgang japanischer Konservativer mit Japans Geschichte.
Aso will die Wirtschaft mit einem klassischen Konjunkturprogramm ankurbeln. Diese haben der LDP bisher ländliche Stimmen gesichert, sonst aber wenig gebracht - außer dass Landschaften zubetoniert und besorgniserregende Schulden angehäuft wurden. Mit Aso hat sich die LDP für ein "Weiter so" entschieden. Leider ist die Opposition weder kompetenter noch vertrauenswürdiger. Aso dürfte daher zwar nur wenig zur Lösung wichtiger Zukunftsfragen beitragen - aber zumindest einen Regierungswechsel verhindern, der den Wandel beschleunigen würde.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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