Kommentar Innerstädtische Leerflüge: Grober Unfug am Himmel

Geschäftsflieger lassen ihre Jets von Berlin-Tegel nach Berlin-Schönefeld fliegen,. weil sie sonst keinen Parkplatz finden. Umweltschützer finden das nicht so schlimm, CDU fordert Flughafenausbau. Offenbar spinnen jetzt alle.

Jede Woche lassen ein paar Geschäftsleute ihre Flugzeuge von Tegel nach Schönefeld düsen, weil es auf Berlins Nordflughafen nicht genug Parkplätze gibt. Die CDU fürchtet nun um das Klima und fordert den Ausbau von Tegel. Umweltschützer aber entgegnen, dass die paar Kurzflieger nicht so schlimm seien für das Klima. Ja, spinnen denn jetzt alle? Offenbar. Anders ist dieser grobe Unfug am Berliner Himmel nicht zu erklären.

Am frechsten sind die Geschäftsflieger. Bloß weil sie von Tegel ein paar Minütchen schneller in die City gelangen als von Schönefeld, lassen sie sich auf dem Airport für Fußfaule absetzen und schicken dann ihre Jets auf die spritfressende Parkplatzsuche.

Kaum nachvollziehbarer ist die Sanftmut der Umweltlobby. Selbstverständlich verbraucht eine Hand voll kleiner Jets weniger Energie als die zahllosen Jumbos. Aber wer deshalb bei unnötigen Leerstarts ein Auge zu drückt, kann den Kampf gegen den Klimawandel gleich komplett einstellen. Denn wie soll man noch erklären, dass der Austausch simpler Glühbirnen gegen Energiesparlampen sinnvoll ist, wenn innerstädtische Flüge akzeptabel sein sollen.

Die CDU immerhin hat erkannt, dass die fliegenden Parkplatzsucher ökologischer Wahnsinn sind. Ihre Schlussfolgerung jedoch, dass nun der Flughafen in Tegel ausgebaut werden müsse, hat mit umweltpolitischer Einsicht nichts zu tun. Sie erinnert vielmehr an die Logik der Autolobby, die stets mehr Straßen fordert, damit noch mehr Fahrzeuge darauf Platz finden.

Abhilfe brächte nur eine klare Vorgabe: Wer keinen Parklplatz in Tegel hat, muss in Schönefeld landen. Da die Flughafengesellschaft das allein nicht zu schaffen meint, muss eben die Umweltsenatorin zur Tat schreiten. Wenn es gelingt, Autos ohne Umweltplakette aus der Innenstadt zu verbannen, dann dürfte es ein Leichtes sein, Flüge ohne Umweltverstand darüber zu verbieten.

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Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Themenchef und gelegentlich Seite-1-Redakteur. Seit 1995 bei der taz, 1998 bis 2005 CVD, 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 zusammen mit Klaus Hillenbrand Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Mehr unter gereonasmuth.de.

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