piwik no script img

Kommentar Haasenburg Spuren verwischen

Kaija Kutter

Kommentar von

Kaija Kutter

In Hamburg ist seit Schwarz-Schill eine Struktur entstanden, die die geschlossene Unterbringung eines Kindes erleichtert.

D a ist wohl noch Übung nötig mit der Transparenz. Dem fragenden Bürger einfach zu sagen, dass es etwas nicht gibt, das es dann doch gibt, ist äußerst ungeschickt. Da die Hamburger Sozialbehörde sich nun gar nicht mehr äußert, lässt sich nicht mal klären, wie es zu diesen Widersprüchen kommt.

Fakt ist: Es gibt diese Verträge samt Einwilligungserklärungen, mit denen einer privaten Heimfirma Grundrechtseingriffe an Hamburger Jugendlichen gestattet werden. Das sollte keine Geheimsache sein.

Das Interesse der Sozialbehörde scheint zu sein, die Sache möglichst zufällig aussehen zu lassen und die Frage der Verantwortung zu verwässern. Nach dem Motto: Da sind viele Leute beteiligt, wenn ein Jugendlicher eingesperrt wird – die Jugendämter, die Familienrichter, die Gutachter und irgendwann auch die Amtsvormünder.

In Hamburg ist seit Schwarz-Schill mit dem „Familieninterventionsteam“, das nur für delinquente Jugendliche zuständig ist, und einer eigenen Abteilung für Amtsvormundschaften eine Struktur entstanden, die die geschlossene Unterbringung eines Kindes erleichtert.

Diese Struktur führte dazu, dass fast 50 Kinder und Jugendliche in der Haasenburg untergebracht wurden. Nötig sind alternative intensivpädagogische Angebote in Hamburg. Dieses Heim in Brandenburg ist zu weit weg und das Konzept zu umstritten, um guten Gewissens Kinder dorthin zu schicken.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Kaija Kutter

Kaija Kutter Redakteurin taz-Hamburg

Jahrgang 1964, seit 1992 Redakteurin der taz am Standort Hamburg für Bildung und Soziales. Schwerpunkte Schulpolitik, Jugendhilfe, Familienpolitik und Alltagsthemen.
Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • D
    dillinger

    Ich bin auch dafür, dass Kinder besser geschützt werden. Nehmen wir einmal an, Sie, Frau Kutter, spazieren fröhlichen Sinns durch Hamburg. Dann kommt solch ein Kind, das das Opfer herrschender faschistischer gesellschaftlicher Verhältnisse wurde, rempelt Sie an, wirft sie zu Boden und beginnt, mit ihrem Kopf Fußball zu spielen. Bumm, bumm, bumm ... ja das macht Spaß, all die aufgestauten Aggressionen rauszulassen, die Gesellschaft und die Spießer haben ihm ja auch nicht beigebracht, sich anders zu artikulieren ... bumm, bumm, bumm ...

     

    Solch einem KIND müssen wir allerdings helfen. Und vor allem: das muss die Gesellschaft (in diesem Fall Ihr Kopf) aushalten können. In diesem Sinne: fröhliche Genesung, Frau Kutter. Vielleicht können Sie und der Knabe sich ja eines Tages die Hand zur Versöhnung reichen und über das Geschehene gemeinsam diskutieren. Schließlich gibt es in zwei Opfer: Einmal Sie, die Sie Ihr Leben lang Kopfschmerzen haben werden, und dann das KIND, dann von den Geschehnissen völlig traumatisiert ist.

     

    Ach ja, ich vergaß: Ich bin sehr betroffen, wirklich sehr betroffen ...