Kommentar Flugrouten in Schönefeld: Information ist Pflicht der Politiker

Die Proteste gegen Stuttgart 21 haben auch die Berliner Politiker aufgeschreckt. Nun verspricht der rot-rote Senat mehr Transparenz.

Die Landespolitiker sind aufgeschreckt. Sie schauen nach Stuttgart und sehen, was passiert, wenn sich Bürger verschaukelt fühlen von denen, die sie einst gewählt haben. Und sie haben gemerkt, wie schnell sich auch hier das akademische Bürgertum organisieren kann: Innerhalb weniger Wochen bildeten sich im Süden Berlins mehr als ein Dutzend Initiativen gegen die geplanten Flugrouten. Nun hat der Senat Transparenz versprochen; betroffene Gemeindevertreter will er in die Lärmkommission holen.

Der Senat will die Bürger in Berlin und Brandenburg künftig besser über die geplanten Flugrouten vom und zum Großflughafen Berlin-Brandenburg (BBI) informieren. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung spreche sich nicht nur für eine "optimale Aufklärung" aus, sondern habe zugleich die Potsdamer Kollegen gebeten, sich mit Informationen zum Thema "nicht zurückzuhalten", sagte Staatssekretärin Maria Krautzberger am Donnerstag im Abgeordnetenhaus.

Die Flugrouten waren Anfang September von der Deutschen Flugsicherung vorgestellt worden. Demnach wären nach Eröffnung des BBI im Jahr 2012 mehr Brandenburger Gemeinden und vor allem Berliner Stadtgebiete von Fluglärm betroffen als bislang angenommen.

Derweil haben die Berliner Flughäfen bei den Passagierzahlen und im Frachtverkehr deutlich zugelegt. Vor allem die Luftfrachtmenge wuchs im September im Vergleich zum Vorjahresmonat mit 2.489 Tonnen um 42 Prozent, teilten die Flughäfen mit. Schönefeld und Tegel zählten zusammen über 2,2 Millionen Passagiere, das war ein Zuwachs im Vergleich zum Vorjahresmonat um 11,5 Prozent. Die Zahl der Flugbewegungen stieg um 3,5 Prozent.

Tegel konnte demnach im September einen Zuwachs bei den Passagieren von 12,4 Prozent auf mehr als 1,5 Millionen verbuchen. In Schönefeld wurden mehr als 700.000 Passagiere gezählt, 9,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. (dapd)

Die protestierenden Kleinmachnower und ihr Umfeld haben damit ein erstes Ziel erreicht. Auch wenn die Lautstärke der Gutverdienenden manchem aufstößt: Betroffene haben ein Recht auf Information. Autolärm kann abgeschätzt werden, indem man sich an den Straßenrand stellt. Fluglärm ist abstrakter. Deswegen müssen die Anwohner in Schönefeld-Nähe verlässlich erfahren, wie hoch Flugzeuge fliegen sollen und wie laut sie sind. Diese Informationen brauchen sie früher als von der Flugsicherung versprochen: Die Bürger wenige Wochen vor Flughafeneröffnung darüber zu informieren, in welcher Höhe Flieger über ihren Kopf donnern, wäre eine Sauerei. Hier muss die Politik Druck machen - sie ist die Vertreterin ihrer Bevölkerung.

Was sie nicht darf, ist sich von der Lautstärke Einzelner beeindrucken lassen. Die Lebensqualität der Menschen direkt am Flughafen zählt genauso viel wie die von Hausbesitzern in wohlhabenden entfernteren Gegenden. Auch hier hilft Transparenz: Wer am lautesten schreit, kann am ehesten mit Fakten zum Schweigen gebracht werden.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Mit der taz Bewegung bleibst Du auf dem Laufenden über Demos, Diskussionen und Aktionen in Berlin & Brandenburg. Erfahre mehr

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de