Kommentar Energiebörsen: Lösung ohne Blackout
Stromhändlern Abzocke zu unterstellen, bringt nichts. Die Debatte darum, wie der Strommarkt gestaltet wird, muss sachlich und lösungsorientiert geführt werden.
M an kann es plakativ formulieren: Stromhändler zocken das Land beinahe in den Blackout. Man kann die Situation aber auch sachlich beschreiben: Weil Stromhändler ihren Einkauf nach unternehmerischen Gesichtspunkten optimierten und dabei alle den gleichen Trick wählten, war der Blackout nahe.
Der Unterschied bei den Formulierungen hat weniger damit zu tun, welche Brisanz man dem Thema beimisst, sondern vielmehr mit der Suche nach einer Lösung. Im ersten Fall hat man ein Feindbild, das in die Zeit passt: Es sind die Zocker, die Wirtschaft und Alltag gefährden.
Man kann sich echauffieren - doch was bringts? Die zweite Version hingegen ist lösungsorientiert. Denn sie führt zum entscheidenden Punkt: Welche Regeln im Strommarkt müssen geändert werden, damit sich solche kritischen Situationen nicht wiederholen?
Ein Ansatz wäre, Stromhändlern den Anreiz zu nehmen, in Zeiten hoher Strommarktpreise vorsätzlich zu wenig Strom einzukaufen im Vertrauen darauf, dass sie sich später am Regelenergiemarkt günstiger eindecken können. Das ginge, indem man sicherstellt, dass der Preis der Regelenergie immer mindestens so hoch ist wie der Preis an der Strombörse im Vortageshandel. Folglich sind nun, von der Bundesnetzagentur bis zur Politik, die Verantwortlichen gefordert, dem Strommarkt neue Leitplanken einzuziehen.
Die jüngsten Vorfälle haben auch eine grundsätzliche Erkenntnis gebracht: Technisch kann die Stromwirtschaft mit der Abschaltung der Atomkraftwerke und den fluktuierenden erneuerbaren Energien gut umgehen.
Viel kritischer ist die Ebene des Marktes: Wie muss der Strommarkt formal gestaltet sein, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden? Diese Diskussion ist es jetzt mehr denn je wert, geführt zu werden.
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