Kommentar CSU: Neue Freunde gesucht

Die CSU hatte sich bisher in ihrer altmodischen Parallelgesellschaft eingeigelt. Jetzt geht sie auf gesellschaftliche Strömungen wie Attac zu. Und das darf man ruhig gut finden.

Wer wissen will, warum die CSU in der Krise steckt, muss nur die Einladung lesen. Heute versammelt die CSU ihre härtesten Fans zum traditionellen Politischen Aschermittwoch in Passau, zum "größten Stammtisch der Welt", so steht es in den Werbezetteln und Mitteilungen. In der CSU-Sicht der Welt ist der klassische Stammtisch noch immer das geistige Zentrum der Gesellschaft. In der wirklichen Welt des heutigen Bayern ist der Stammtisch nicht viel mehr als ein Relikt aus einer vergangenen Zeit, das Zentrum einer hoffnungslos rückwärtsgewandten Parallelgesellschaft. Die bayerischen Bürger sind heute genauso mobil, flexibel und ungebunden wie die Menschen anderswo. Die dörfliche Enge der Stammtischwelt gibt es selbst in der Provinz kaum mehr.

Die CSU hat diese Veränderung verpasst. Ihre Politiker setzten lieber auf die verbliebene, stetig schrumpfende Stammwählerklientel und igelten sich ein in ihrer eigenen altmodischen Parallelgesellschaft, zwischen Freiwilliger Feuerwehr, Trachtenverein und Handwerkskammer.

Mit der Zukunftskommission des niederbayerischen Bezirksvorsitzenden Manfred Weber beginnt nun so etwas wie ein langsames Erwachen. Weber verspricht, auf gesellschaftliche Strömungen außerhalb der bekannten CSU-Welt zuzugehen, auf Globalisierungskritiker, Datenschutzaktivisten und Bürgerbewegungen. Das wird die CSU nicht auf einen Schlag weniger konservativ machen. Doch wenn das Vorhaben gelingt, könnte es die Partei wieder näher in der Lebenswelt der bayerischen Bürger verankern.

Selbst wenn man die CSU nicht leiden mag - so etwas soll es auch in Bayern geben -, darf man diesen Modernisierungskurs ruhig gut finden. Denn eine Partei, die kein Gespür hat für den Lebensalltag und die Sorgen ihrer Wähler, wird empfänglich für absurdeste Klientelinteressen. So wie es die CSU in ihrem Kampf für Steuerentlastungen für Hoteliers und Erben in den vergangenen Monaten gemacht hat.

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