Kommentar Bürgerkrieg in Sri Lanka: Eine neue Etappe beginnt

Die Regierungstruppen haben zwar in Kilinochchi einen Sieg errungen. Doch aufgeben werden die Tamil Tigers deswegen nicht. Eine politische Lösung muss angestrebt werden.

Mit der Einnahme von Kilinochchi, der De-facto-Hauptstadt der Tamil Tigers, hat die Armee von Sri Lanka einen wichtigen Etappensieg gegenüber den Rebellen errungen. Aber nicht mehr als das. Denn die Geisterstadt, die den erschöpften Soldaten in die Hände fiel, hat vor allem symbolischen Charakter. Das Oberkommando der LTTE ist längst in sicheren Bunkern stationiert. Weder nennenswerte Waffendepots noch Dokumente dürften die Rebellen zurückgelassen haben, denn sie hatten ausreichend Zeit, den Rückzug vorzubereiten.

Präsident Mahinda Rajapakse weiß, dass die LTTE seinem Aufruf, die Waffen zu strecken, nur Hohn entgegensetzen wird. Statt die Armee in einen weiteren verlustreichen Stellungskrieg um Muluaitivu, die letzte Bastion der Rebellen, zu hetzen, sollte er seine vagen Versprechungen einer politischen Lösung konkret machen und den Erzfeind an den Verhandlungstisch bitten. In der Schlacht um Kilinochchi standen die Gegner einander wie zwei reguläre Armeen im Grabenkrieg gegenüber. Doch je weniger Territorien die LTTE zu verteidigen hat, desto mehr wird sie wieder zur Guerilla. Und eine Guerilla kann man nicht militärisch besiegen, solange sie den Rückhalt in der Bevölkerung genießt.

Kein Zweifel, auch die LTTE ist ausgeblutet und - nicht zuletzt dank Indiens Patrouillenbooten - vom Nachschub zu Land und zu Wasser abgeschnitten. Gleichzeitig hat die Armee massiv aufgerüstet. Doch zu den Herzen der tamilischen Zivilbevölkerung, die die singhalesischen Militärs als repressive Besatzungsarmee erlebt, hat die Regierung keinen Zugang gefunden. Im Gegenteil: die Schikanen wurden verstärkt. Daraus bezieht die LTTE neue Legitimität für ihren Kampf.

Die Tamilen nicht mehr als Bürger zweiter Klasse zu behandeln, würde auch der Reputation von Sri Lankas Regierung im Ausland gut tun. Die Armee steht wegen Flächenbombardements und Übergriffen gegen tamilische Zivilisten schon lange unter Beobachtung. Jüngste Berichte über den Einsatz international geächteter Streubomben und die Rekrutierung Minderjähriger tragen nicht gerade zur Vertrauenswürdigkeit bei.

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Geboren in Wien, 1955, taz-Korrespondent für Österreich und Ungarn. Daneben freier Autor für Radio und Print. Im früheren Leben (1985-1996) taz-Korrespondent in Zentralamerika mit Einzugsgebiet von Mexiko über die Karibik bis Kolumbien und Peru. Nach Lateinamerika reist er noch immer regelmäßig. Vom Tsunami 2004 bis zum Ende des Bürgerkriegs war er auch immer wieder in Sri Lanka. Tutor für Nicaragua am Schulungszentrum der GIZ in Bad Honnef. Autor von Studien und Projektevaluierungen in Lateinamerika und Afrika. Gelernter Jurist und Absolvent der Diplomatischen Akademie in Wien.

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