piwik no script img

Kommentar Bäume in HamburgSchlechtes Vorbild

Gernot Knödler

Kommentar von

Gernot Knödler

Privatleute müssen Bäume teuer erhalten oder ersetzen. Die Stadt hingegen nimmt es mit ihren Vorgaben nicht so genau.

A us dem Hamburger Stadtbild verschwinden Jahr für Jahr rund 3.000 Straßenbäume. Dass sich der Senat mit einem Sanierungsstau herausredet, ist schwach. Schließlich verlangt er von privaten Grundeigentümern auch, dass sie ihre Bäume mit viel Mühe erhalten oder ersetzen.

Hamburgern ist es wichtig, in einer Stadt mit vielen Bäumen zu leben. Wenn sie ihre Heimatstadt preisen, weisen sie schnell darauf hin, wie grün es hier sei. Soll abgeholzt werden, gehen die Bürger auf die Barrikaden.

Die Stadt treibt einen großen Aufwand, um dem Ruf einer grünen Metropole gerecht zu werden. So gibt es die bewährte Baumschutzsatzung: In einem Baumschutzkataster ist jeder einzelne Straßenbaum mit einer Zustandsbeschreibung erfasst.

Wollen Privatleute Bäume fällen, brauchen sie eine Genehmigung oder sie müssen für Ersatz sorgen. Bisweilen wird viel getan, um alte Bäume zu erhalten. Das geht soweit, dass Gebäude um Bäume herum gebaut werden.

Bei der Stadt allerdings verdichtet sich der Eindruck, dass sie es mit ihrer eigenen Verordnung nicht besonders genau nimmt. Sie argumentiert mit ihrer Verkehrssicherungspflicht, erklärt den Baum für morsch - und ruckzuck ist er weg. Damit verliert sie an Glaubwürdigkeit. Sie wird es immer schwerer haben, den Baumschutz bei Privatleuten durchzusetzen.

Nur noch 460 – dann sind wir 50.000

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 460 Freiwillge, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Gernot Knödler
Hamburg-Redakteur
Mehr zum Thema

0 Kommentare