Kolumne Ökosex

Mit Opel auf der Allee der Erleuchtung

Warum mit dem SolarWorld-Angebot ein neues Zeitalter begann - und jetzt der längste Windpark der Welt her muss.

Letzten Mittwoch habe ich in meinem Büro in Maastricht geweint. Ich habe geweint vor Freude und mich meiner Tränen nicht geschämt. Die Welt war nicht mehr wie zuvor. Es hatte sich ein zeitgeschichtliches Erdbeben vollzogen, ähnlich dem Fall der Mauer, dem Aufstieg Hoffenheims oder der Wahl Obamas. Ökosex kommt deshalb heute mal nicht spielerisch und heiter daher, sonder sehr ergriffen und pathetisch.

Ich hatte am Mittwoch den ganzen Tag die Brüsseler Politik erklärt und diesen ganzen Kladderadatsch, da kam eine Eilmeldung aus dem schönen Klimaschutz-Deutschland. Die war sensationell: "SolarWorld macht Opel Übernahmeangebot". I could not believe it. Ich schaute auf der Seite von SolarWorld nach. Da stand: "SolarWorld plant Angebot für deutsche Opel-Standorte." Und weiter hieß es, SolarWorld wolle aus Opel das erste grüne Automobilunternehmen der Welt machen, mit Hybrid, Elektro und allem Pipapo. Als ich das las, war es zu spät. Da schossen die Tränen der solaren Effizienz über meine Wangen und tropften in meine Koffietasse. Mein griechischer Kollege im Büro nebenan, der mich schluchzen hörte, war leicht irritiert. Natürlich konnte er nicht nachvollziehen, welche Emotionen diese Meldung bei mir auslöste.

Ein Fotovoltaikunternehmen macht einem Automobilriesen ein Übernahmeangebot.

Ist das Science-Fiction? Nein. Auch wenn es in erster Linie ein dufter Marketingtrick von SolarWorld-Chef Frank Asbeck war: Bei Ökosex ist es so angekommen, wie es gemeint war. Es war ein Signal zum Angriff in der Champions League der deutschen Industrie.

Was haben sie gelacht über uns. Über Spargel, Strom aus Mist und über die angeblich so teuren Module. Was haben die Oligopolisten alles probiert, um mit Ihren Kohle- und Atommilliarden den industriellen Aufstiegt zu verhindern? Wie viele Politiker und Showbizgrößen haben sie gekauft, um Ihre Braunkohleschleudern zu promoten? Wie viele Lobbyisten hatten sie in den Ministerien untergebracht, die geschickt die Gesetzgebung in ihrem Sinne schrieben? Es waren und sind bis heute eine ganze Menge. Natürlich macht sich Ökosex nix vor. Noch sind die Bremsbacken der solaren Effizienz dick im Geschäft. Wie geschickt haben die deutschen Autolobbyisten gestern noch in Brüssel sinnvolle CO2-Werte verhindert und wie dreist fragen sie heute nach Kfz-Steuer-Geschenken und staatlichen Bürgschaften? Absolut crazy: Noch ist die Klimakanzlerin anscheinend schizophren genug, eine Milliarde im Sechszylinder des Porsche Carrera zu verbrennen. Noch. Denn es könnte ein letzter Sieg der Brumm-Brumm-Fraktion sein. Deren Ideologie, sie liegt angeschlagen am Boden. Und weil der Mainstream in Deutschland ein Hasenfuß ist, heult er mit den Großen und Starken. Deshalb wird das SolarWorldangebot auch am Stammtisch und im Kabinett Eindruck hinterlassen.

Apropos Größe: Genau rechtzeitig hat Ökosex die Machbarkeitsstudie für den größten und längsten Windpark der Welt auf den Weg gebracht. Danke für die Kommentare zur letzten Kolumne. Ich sammle im Moment alle Expertenstimmen zur Idee des 1.000 Kilometer langen Windparks entlang der A 7 von Flensburg bis Füssen. Ich muss mich deshalb auch noch bei allen Freunden des Ökosexes entschuldigen. Ich hatte im ersten Schritt viel zu klein angefangen. Ich sprach von einigen hundert Windmühlen. Nein, es sollen tausende sein an der "Allee der erneuerbaren Erleuchtung", "dem Boulevard der Energie des Volkes". Diesen offiziellen "Windpark Deutschland" sehe ich jetzt vor allem auch als ein kulturelles Projekt der Tourismusförderung. Die A 7 bekommt Flügel. Das wird eine Art chinesische Mauer der solaren Effizienz, die allen angeschlossenen Landkreisen ungeahnte Möglichkeiten bietet. Aus aller Welt werden die Touristen kommen, um den längsten und größten zu sehen. Und dann werden viele regionale "Windwelten" den altbackenen "Autowelten" die Show stehlen. Auch eine Übernahmeidee.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben