Kolumne Liebeserklärung

Endlich den Führerschein machen

Die Welt ist nicht fair. Und die EM und die Aduktoren sind es schon gleich gar nicht. Tröstende Worte für einen, der Scheiße am Schuh hat.

Marco Reus hadert im nationaltrikot

Marco Reus im DFB-Trikot: keine Liebesbeziehung Foto: dpa

Jetzt habe er ja endlich Zeit, seinen Führerschein zu machen, witzelten sie sofort, diese Zyniker. Da war gerade erst ein paar Minuten öffentlich bekannt, dass Marco Reus nicht mit zur Europameisterschaft nach Frankreich fahren darf.

Fahren. Hihi. Das ist zynisch und lustig.

Ja,’tschuldigung, sie ist schlimm, diese böse Welt, gerade im Internet. Da hilft auch keine Helene Fischer. Aber was soll man sich auch beschweren, wenn man jahrelang ohne Lappen durch die Gegend gegurkt ist und sich auch noch für einen Sponsor mit Auto hat ablichten lassen? Eben.

Dabei kann einem dieser Reus tatsächlich leidtun. Das dritte Turnier verpasst er nun. Immer wieder war und ist er verletzt. Er durfte nicht mit der Boyband in Südafrika groß aufspielen (das tat dann Thomas Müller), er konnte 2012 nicht beweisen, dass er besser ist als Mario Balotelli (das tat nämlich niemand aus der Nationalelf), er wurde nicht Weltmeister in Rio (im Gegensatz zu Weidenfeller, Großkreutz und Durm), er spielt bei einem Verein, der seine Finals in Reihe verliert, und jetzt verlassen ihn auch noch die Dortmunder Mitspieler.

Es ist schlicht ungerecht, wenn einer der besten Fußballer seiner Generation nach neun Jahren Profikarriere keinen großen Titel – Supercups zählen nicht – in seiner Vita hat.

Die polnische Regierung torpediert die Pläne für das Danziger Museum des Zweiten Weltkriegs und vergeudet damit eine historische Gelegenheit. Den Essay des Holocaustforschers Timothy Snyder lesen Sie in der taz.am wochenende vom 4./5. Juni. Außerdem: Etablierte Parteien suchen die gesellschaftliche Mitte. Aber wo ist sie? Ein Besuch in Gittis Bier-Bar in Berlin-Mitte. Und: Woher rührt die neue Liebe der Grünen zur Polizei? Dies und mehr am Kiosk, eKiosk oder im praktischen Wochenendabo.

Da ist ein Sommer, in dem man nachdenken, nachdenken und nachdenken kann, wohl das Bescheuertste, was einem passieren kann.

Deshalb sollte er den Juni sinnvoll nutzen, all den Zynikern ein Schnippchen schlagen – und tatsächlich seinen Führerschein machen. Laut Bundestrainer Löw könne Reus zwar keine Kurven laufen, aber Kurven fahren wird er wohl können. Und es gibt tolle Angebote im Ruhrgebiet für Ferienführerscheinkurse. Aber wichtig: schnell den entsprechenden Antrag am Wohnort stellen, Sehtest machen und Erste-Hilfe-Kurs absolvieren! Als biometrisches Passbild reicht wohl auch der Ausschnitt des Kopfs von der Autogrammkarte.

Viel Erfolg und allzeit gute Fahrt!

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Seit 2008 bei der taz. Davor: Journalistik und Politikwissenschaft in Leipzig studiert. Dazwischen: Gelernt an der Axel Springer Akademie in Berlin. Mittlerweile: Ressortleiter tazzwei/Medien.

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