Kolumne Frauen-WM

Penalty im Jardin Nelson Mandela

Auch Paris kümmert sich um den Frauenfußball: Es gibt sogar einen extra Themenpark. Dummerweise zieht dieser nur US-AmerikanerInnen an.

USA gegen China 1999.

Briana Scurry hält den entscheidenden Elfmeter im Endspiel 1999 Foto: ap

Ein echter Großstädter findet immer eine Oase in der steinernen Wüste. Eine kleine Wiese in einer Baulücke, auf die noch nicht allzu viele Hunde ihre Hinterlassenschaft hinterlassen haben, eine Bank unter einem Baum, Parks sowieso. Derer gibt es aber nicht viele in Paris.

Eine dieser Anlagen nennt sich „Jardin Nelson Mandela“ und ist nicht viel mehr als eine kleine Wiese zwischen der Kirche des heiligen Eustachius und der futuristischen Einkaufswelt des Forum Les Halles. Zurzeit ist der größte Teil des Geländes eingezäunt. Die WM-Organisatoren betreiben darauf die „Fan Experience“. Wer reinwill, wird von Security-Heinis abgetastet.

Einen gestandenen Pariser kann das nicht davon abhalten, auf dem Gelände einen Liegestuhl zu besetzen, sich bis auf die Badehose auszuziehen und ein ausgedehntes Sonnenbad zu nehmen. Sie bleiben auch liegen, wenn irgendwann am Nachmittag die Videowände angeschmissen werden und Fifa-Filme über die Kraft, die vom Frauenfußball ausgehen kann, gezeigt werden.

Auch ein paar Fußballfans sind unterwegs. Die meisten kommen aus den USA, was man an den Trikots erkennt, die sie ihren Kindern übergestreift haben. Sie freuen sich über die Animateurinnen, die mit den Kindern Fußballspielchen machen, oder bleiben für eine Partie an einem der auf der Wiese verteilten Tischkicker stehen. Später gehen sie in die temporäre Dependance des Fifa-Museums, die am Rande der Anlage in einem weißen Würfel untergebracht ist.

Der entscheidende Elfmeter

Da kann man sich unter anderem mit dem WM-Pokal fotografieren. Wer die richtigen Hashtags benutzt und sein Foto auf Instagram postet, kann Eintrittskarten gewinnen.

Soll noch einer sagen, die Fifa tue nicht genug, um die Stadien zu füllen. Eine kleine Ausstellung über die Geschichte des Frauenfußballs ist noch zu sehen, die Trikots der WM-Teams darf man betrachten, und in Dauerschleife läuft ein Film über die großen Momente der WM-Geschichte.

Im Park kann man sich mit dem WM-Pokal fotografieren. Wer die richtigen Hashtags benutzt, kann Eintrittskarten gewinnen

Auch hier kommen die meisten Besucher aus den USA. Sie sind sehr fachkundig. „Das ist der entscheidende Elfmeter!“, erklärt einer seiner Frau, als die Szene zu sehen ist, in der die Chinesin Liu Ying im Elfmeterschießen des Endspiels der WM 1999 anläuft, schießt und verzweifelt, als US-Keeperin Briana Scurry ihren Schuss abwehrt. Dabei steht diese fast zwei Meter vor der Linie. „Hey, Dad!“, sagt da ein Mädchen aufgeregt zu seinem Vater. Seine schnelle Antwort: „Ich weiß.“

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1968 geboren und dann lange Münchner. Studiert hat er Slawistik und wäre um ein Haar Lehrer geworden. Zehn Jahre lang war er Kabarettist (mit Helmut Schleich und Christian Springer). Dann ist er Sportreporter geworden. Von April 2014 bis September 2015 war er Chefredakteur der taz. Jetzt treibt er wieder Sport.

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