: „Können wir auch mal über Tolkiens latenten Rassismus reden?“
Stefan Hunglinger
Ein lässiger Move, denkt man erst. In seinem neuen Lehrschreiben über die Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz bedient sich Papst Leo XIV. auch bei „Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien.
Foto: Sima Ebrahimi
Stefan Hunglinger
ist Politikredakteur der wochentaz.
„Doch unsere Sache ist es nicht“, zitiert Leo der Weiße da Gandalf den Weißen, „die Welt durch alle Zeiten zu steuern, sondern in den Jahren, auf die wir beschränkt sind, zu tun, was wir können, um das Übel auf den uns bekannten Feldern auszujäten, damit jene, die nach uns kommen, einen guten Boden vorfinden.“ Hübsch, oder?
Wir sind offen für die Popkultur, soll die für eine Enzyklika ungewöhnliche Quelle wohl bedeuten. Tolkien ging aber auch jeden Morgen zur Messe, und in sein Großwerk ist einiges an katholischer Denke geflossen. Es ist gut, dass Papst Leo den Herrn der Ringe nicht Giorgia Meloni, J. D. Vance und anderen rechtsextremen Tolkien-Fans überlässt. Zumal Tolkien Antifaschist war. Aber können wir mehr als 50 Jahre nach seinem Tod vielleicht auch mal über den latenten Rassismus in seinem Werk reden? Die guten Völker des Westens gegen die bösen aus Ost und Süd? Really? Das passt auch so gar nicht zur katholischen Kirche, deren Zukunft viel eher im Osten und Süden liegt als im Westen.
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