piwik no script img

Klöckner mobilisiert

■ „Thyssen/Krupp-Angebot bedeutet Stillegung“

„Zutiefst erschrocken“ ist die Klöckner-Belegschaft über die Nachricht, daß Krupp/Hoesch und Thyssen das Kaltwalzwerk der Bremer Klöckner-Hütte nach einem Vergleich vor dem Duisburger Amtsgericht kaufen wollen. „Wir nehmen das todernst“, erklärte Betriebsrat Eike Hemmer der taz. Denn nicht nur bei Klöckner wird diese Absicht als unverhülltes „Stillegungsangebot“ interpretiert. Die Warmbreitanlage werde dann stillgelegt, vermuten Beobachter.

Teilentschuldet und mit weiter verbesserter Produktivität wäre, so Eike Hemmer, die Bremer Hütte den Stahlriesen Thyssen und Krupp/Hoesch als Konkurrent „noch lästiger“ auf dem Markt. Schließlich hat die EG- Kommission den bundesdeutschen Stahlproduzenten weiteren Kapazitätsabbau verordnet. So muß u.a. eine Warmbreitbandanlage zur Rohstahlproduktion stillgelegt werden. Und da Thyssen selbst gerade an einem Hochofen baut, ist für die Belegschaft von Klöckner klar: „Die denken nicht dran, dann ihre eigene zu schließen.“

In der Bremer Hütte ist bereits einer von zwei Hochöfen stillgelegt, wodurch die Belegschaft bis Ende 1993 um 1.000 Menschen reduziert wird. „Mehr ist nicht drin“, versichert der Betriebsrat. Klöckner hält an seiner supermodernen Warmbreitbandanlage fest: „Hier ist alles in einer Linie, ohne große Transportwege, mit geringem Energieaufwand und dadurch relativ kostengünstig“, beschreibt Hemmer das integrierte Konzept. An der weiteren Optimierung werde derzeit gearbeitet.

Wie im Herbst setzt die Klöckner-Belegschaft jetzt auf Mobilisierung von Öffentlichkeit und Politikern: „Wir müssen klarmachen, was die Schließung der Hütte für Bremen und die Region bedeutet.“ Eine erste Demonstration ist heute früh um sechs vor dem Tor 1 der Hütte. ra

Unser Mittel gegen Antifeminismus

Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen