Keine Journalisten im Gazastreifen: Draußen vor dem Krieg

Israel sperrt ausländische Journalisten noch immer aus dem Gazastreifen aus. Damit missachtet die Armee eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs. Dementsprechend schlecht ist Israels Presse.

Die palästinensischen Kameraleute und Recherchegehilfen der internationalen Fernsehstationen entscheiden, welche Bilder den Gazastreifen verlassen. Bild: ap

Die südisraelische Kleinstadt Sderot erlebt in diesen Tagen einen Massenandrang von ausländischen Reportern. Sie campieren dort aus Mangel an Alternativen, denn die Armee hält die Übergänge zum Gazastreifen noch immer auch für Journalisten gesperrt. Von Sderot aus kann man wenigstens einen vagen Eindruck gewinnen über die Bombardierungen im benachbarten Palästinensergebiet. Im Gegensatz zum Libanonkrieg 2006 ist es auch nicht mehr möglich, mit der Front zu telefonieren. Die Soldaten mussten ihre Handys zu Hause lassen.

Der Gedanke, der hinter der Einreisesperre steht, ist, so spekuliert Haaretz-Reporter Gili Eisikovitsch, die Korrespondenten positiv für Israel einzunehmen, da sie nun "den Krieg von unserer Seite aus erleben". Danni Seaman, Chef des Staatlichen Presseamtes, glaubt, dass es besser für Israel sei, wenn die Korrespondenten nicht nach Gaza reisen, weil sie sonst die von den Hamas-Kämpfern getürkten Berichte übernehmen würden, um Israel anzuschwärzen. "Jeder Journalist, der Gaza betritt, wird zum Feigenblatt der terroristischen Hamas", zitierte ihn die New York Times am Mittwoch: "Ich sehe keinen Grund, warum wir dabei behilflich sein sollten."

Nicht zuletzt wegen des Einreiseverbots steht es schlecht um das israelische Image in der Weltpresse. Die Tageszeitung Maariv kam jedenfalls zu dem Schluss, dass die internationalen Medien alles in allem eine "feindliche Berichterstattung" lieferten. Mit ein Grund dafür mag die Tatsache sein, dass die Kriegsberichterstattung aus dem Gazastreifen nahezu ausschließlich in den Händen von Palästinensern liegt. Die palästinensischen Kameraleute und Recherchegehilfen der internationalen Fernsehstationen entscheiden, welche Bilder den Gazastreifen verlassen.

Was alle offiziellen Argumente zunichte macht, ist die Tatsache, dass die Einreisesperre bereits am 4. November begann, zu einem Zeitpunkt also, als die Waffenruhe zwischen Israel und dem Gazastreifen offiziell noch andauerte. Von wenigen Tagen abgesehen, blieb der palästinensische Küstenstreifen für unabhängige Reporter seither gesperrt. Offenbar war die frühe Einreisesperre bereits Teil der Kriegsvorbereitungen.

Im Auftrag seiner Mitglieder zog der FPA, der Verband der Auslandskorrespondenten in Israel, schon Mitte November vor den Obersten Gerichtshof in Jerusalem. Es gab keinen ersichtlichen Grund, warum die Reporter plötzlich nicht mehr reisen durften. Schließlich kamen die Mitarbeiter der in Gaza ansässigen NGOs zu dieser Zeit noch ungehindert rein und raus. Für sie traf das Sicherheitsargument des Presseamts offenbar nicht zu.

Erst Ende Dezember entschied das Gericht, dass jeweils mindestens acht Journalisten einreisen dürfen sollen, zwei davon nach freier Wahl des Presseamtes, die anderen würden vom FPA vorgeschlagen. Kein ideales Urteil, da die internationale Berichterstattung fortan auf dem von wenigen Journalisten gesammelten Material beruhen würde.

Der FPA hält sich an die Vorgaben und liefert täglich die Namen reisebereiter Korrespondenten, die sich für eine kurzfristige Abreise bereithalten müssen, ohne zu wissen, wann siewieder ausreisen dürfen. Bislang werden sie von der Armee immer wieder enttäuscht. Die Grenze bleibt zu, jedenfalls für die Korrespondenten und das trotz der Entscheidung des Obersten Gerichts.

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