Kein Nelly-Sachs-Preis an Kamila Shamsie

Solidarität von 200 AutorInnen

Weil Shamsie der BDS-Bewegung nahesteht, verleiht Dortmund ihr den Literaturpreis nicht. KollegInnen wie Teju Cole und Naomi Klein kritisieren das.

Kamila Shamsie - im Hintergrund ein Garten

Es sei empörend, dass ihr der Preis verweigert werde, sagt Kamila Shamsie Foto: Berlin Verlag

BERLIN taz | Mehr als 200 AutorInnen protestieren gegen die Entscheidung der Stadt Dortmund, der britisch-pakistanischen Autorin Kamila Shamsie aus politischen Gründen nicht den Nelly-Sachs-Preis zu verleihen. In dem Aufruf, veröffentlicht in der renommierten Zeitschrift London Review of Books, heißt es Kunst werde so „zu bedeutungslosem Luxus“.

Der Hintergrund: Shamsie sollte den mit 15.000 Euro dotierten Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund erhalten. Doch die Jury unter Vorsitz der SPD-Bürgermeisterin Birgit Jörder nahm ihre eigene Entscheidung zurück, weil Shamsie die Israel-Boykott-Bewegung BDS unterstützt. Das Geschehen erinnert an die Verleihung des Göttinger Friedenspreises 2018 an die Jüdische Stimme (JS). Auch dort machte die Stadt wegen Nähe der JS zum in Deutschland marginalen BDS einen Rückzieher.

Der Protest gegen die Dortmunder Entscheidung liest sich wie ein Who is Who der internationalen Literatur: Neben erwartbaren Namen wie Naomi Klein, Noam Chomsky und Roger Waters erheben auch Rachel Kushner, Richard Ford, A. L. Kennedy, Yann Martel, Teju Cole, Michael Ondaatje und J. M. Coetzee Einspruch.

Shamsie kritisierte die Dortmunder Entscheidung. Israel wolle völkerrechtswidrig „bis zu einem Drittel des Westjordanlandes“ annektieren. Es sei empörend, dass ihr „in diesem politischen Kontext“ der Preis verweigert werde und die friedliche BDS-Bewegung, die gegen die Diskriminierung der Palästinenser kämpfe, „als etwas Schändliches und Ungerechtes“ gelte.

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