Katja Suding, FDP-Hoffnungsträgerin: "Wir sind die Alternative zur GAL"

Die designierte Spitzenkandidatin der FDP, Katja Suding, im taz-Interview über Walter Scheuerl, Koalitionen mit CDU oder SPD und ihre Ambitionen auf das Finanzressort.

Rechnet, schön optimistisch, mit sechs Prozent bei der Bürgerschaftswahl: Katja Suding. Bild: dpa

taz: Frau Suding, die Hamburger FDP gilt seit Jahren als zerstrittener und intriganter Männerverein. Sind Sie die Retterin?

Katja Suding: Ich will die Spitzenkandidatin der Hamburger FDP sein und in die Zukunft blicken. Ich möchte die Wählerinnen und Wähler davon überzeugen, dass die FDP wichtig ist für Hamburg.

Sie sehen sich nicht als Alibifrau?

Ganz und gar nicht.

Oder als Angebot an liberal-konservative Wählerinnen, statt der Männer-CDU jetzt mal die Suding-FDP zu wählen?

Die FDP und ich selbst sind ein gutes Angebot über diese Klientel hinaus, auch an enttäuschte SPD- und GAL-Wähler. Ich stehe für eine familienfreundliche Politik, für eine Wirtschaftspolitik, die sich nicht nur am Hafen und an der Großindustrie orientiert, sondern vor allem am Mittelstand, am Handwerk und an der Kreativwirtschaft, und ich stehe für eine solide Haushaltspolitik.

Solide Haushaltspolitik heißt: Weniger Steuern einnehmen und noch härter sparen?

Wir brauchen eine grundsätzliche Wende in der Finanzpolitik. Hamburg gibt seit Jahren zu viel aus. Wir werden im Haushalt kürzen müssen.

35, geboren in Vechta, ist selbständige PR-Beraterin und seit 2008 Mitglied im Landesvorstand der Hamburger FDP. Sie wohnt mit Mann und zwei Söhnen in Rissen.

Wo denn?

Der Staat muss sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren. Wir müssen die Verwaltung verschlanken und effizienter arbeiten. Jede zweite frei werdende Stelle sollte unbesetzt bleiben. Die laufenden Betriebsausgaben müssen deutlich reduziert, die Investitionen aber mindestens auf dem jetzigen Niveau gehalten werden.

Ist die Schulpolitik für Sie weiter ein Thema?

Ja, natürlich. Wir müssen dafür sorgen, dass das jetzige Modell gut funktioniert, insbesondere müssen wir die Durchlässigkeit zwischen Gymnasien und Stadtteilschulen gewährleisten. Die Schulen sollen mehr Eigenverantwortung erhalten.

Sie wollen aber keine neuen schulpolitischen Kämpfe provozieren?

Nein, keineswegs. Die FDP steht zu der Struktur aus Grundschule, Stadtteilschule und Gymnasium. Aber wir müssen dieses System besser und effektiver machen.

Der bekannteste Kritiker der Primarschulreform, Walter Scheuerl, kandidiert jetzt für die CDU. Bedauern Sie das?

Nein. Ich denke, Herr Scheuerl tut sich damit keinen Gefallen, und die CDU hat sich ein Glaubwürdigkeitsproblem an den Hals gehängt.

Würde er nicht eher zu Ihnen passen? FDP und Initiative haben ja Seite an Seite gegen die Schulreform gestritten.

Das ist richtig. Aber Herr Scheuerl muss selbst wissen, was er tut.

Ihr Wahlziel lautet, erstmals seit 2004 die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen und wieder in die Bürgerschaft einzuziehen?

Ja, sicher. Ich rechne mit mehr als sechs Prozent.

Und dann wollen Sie gewiss regieren? Mit wem am liebsten?

Wir sehen uns als Alternative zu allen Parteien in der Bürgerschaft. Erst wenn wir im Parlament sind, denken wir über Koalitionen nach. Sicher wären wir für Gespräche sowohl mit der CDU als auch mit der SPD offen. Da sind wir also die Alternative zur GAL. Die hat damals bei Rot-Grün und jetzt wieder bei Schwarz-Grün bewiesen, dass sie ein unangenehmer Koalitionspartner ist. Da wären wir anders.

Die FDP wäre bequemer?

Wir wären zuverlässig.

Offiziell zur Wahl als Spitzenkandidatin stehen Sie auf dem FDP-Parteitag am 4. Januar. Wird es eine Gegenkandidatur geben?

Ich denke nicht. Und wenn - so ist Demokratie. Wichtig ist, dass die FDP nach dem Parteitag geschlossen und optimistisch den Wahlkampf aufnimmt. Davon bin ich überzeugt.

Und dann wollen Sie Zweite Bürgermeisterin und Finanzsenatorin werden?

Lassen Sie uns erst mal unsere Wahlziele erreichen. Dann sehen wir weiter.

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