KRANKENHÄUSER: St. Joseph-Krankenhaus gewinnt

Privates Krankenhaus gewinnt gegen den kommunalen Konzern "Gesundheit Nord". Im Hintergrund steht der Streit mit den Arztpraxen an den Kliniken.

Auch bei der privaten Residenz-Klinik in Lilienthal wird ausgebaut - für Fachärzte, die sich von kommunalen Bremer Kliniken vertrieben fühlen. Bild: Michael Bahlo

Der kommunale Klinikverbund "Gesundheit Nord" hat vor dem Landgericht eine Niederlage im Streit mit dem Joseph-Stift einstecken müssen: Geno-Chef Diethelm Hansen hatte dem Geschäftsführer Torsten Jarchow persönlich die fristlose Kündigung eines Kooperationsvertrages in die Hand gedrückt. Das Joseph-Stift erreichte nun vor Gericht eine "einstweilige Verfügung" gegen diese Kündigung. Die Rechtsgrundlage sei aus den vorgelegten Unterlagen nicht ersichtlich gewesen, sagt der Gerichtssprecher.

Hintergrund der Kündigung ist ein erbittert ausgetragener Streit zwischen dem Chef der kommunalen Kliniken und den privaten Facharzt-Praxen bei den Kliniken. "Hansen hat zum Generalangriff gegen alle mit ihm kooperierenden Praxen geblasen", sagt ein Arzt. Diese Praxen haben gute Verträge, sie waren von früheren Klinik-Geschäftsführern gewollt. Aber der Geno-Chef will diese privaten Praxen weg haben, um deren Leistungen wieder selbst - in kommunalen "Medizinischen Versorgungszentren" (MVZ) - anzubieten.

Nur haben die Praxen auch vor dem Hintergrund hoher Investitionen langfristige Verträge, und dazu kommt, dass es sich vielfach um überregional bekannte Fachleute handelt, die nicht einfach zu ersetzen sind. Und die privaten Kliniken wie das Joseph-Stift bauen neue Praxiszentren, weil sie die Chance sehen, von dem Exodus der Fachleute bei der bei "Gesundheit Nord" zu profitieren. Sogar die Klinik Lilienthal baut gerade auf 800 Quadratmetern eine neue Praxis - für Herz-Spezialisten vom Klinikum Links der Weser.

Zum 1. Januar zieht die Kinderkardiologie-Praxis Magraam vom Klinikum Mitte weg - ins Ärztehaus am Joseph-Stift. Einer Herz-Praxis beim Klinikum Links der Weser hatte Hansen die Bezüge kürzen wollen, den Rechtsstreit darüber hat er auch verloren. Da, wo sich derzeit noch eine renommierte nuklearmedizinische Praxis beim Klinikum Mitte befindet, ist auf den Neubau-Plänen das Eltern-Kind-Zentrum vorgesehen. Den betroffenen Ärzten ist seit langem klar, dass Hansen sie weg haben will. Auch da liegt eine Kündigung auf dem Tisch - und bei Gericht vor.

Drei Herz-Spezialisten vom Klinikum Mitte sind nach Delmenhorst gegangen, wo der vor die Tür gesetzte frühere Klinikchef von Links der Weser, Peter Stremmel, nun die Klinik leitet. Stgremmel baut auch in Lilienthal die Konkurrenz für die Bremer Kommunal-Kliniken aus. In Ärzte-Kreisen kursieren Listen von Kollegen, die weg wollen. "Hansen behandelt die Chefärzte unglaublich, er duldet keine selbständig denkenden Leistungsträger", erzählt ein Arzt.

Bei dem gekündigten Kooperationsvertrag mit dem Joseph-Stift ging es um die Überlassung von Fachleuten für die Behandlung von Frühgeburten. Das Joseph-Stift überlegt nun, ob es mittelfristig eine eigene Fachabteilung aufmacht oder mit der Klinik Oldenburg kooperiert.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de